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Ruine BrandenburgGrösste romanische Doppelburg in Thüringen
Die Brandenburg ist eine Doppelburg, bestehend aus einer Sporn- und einer Gipfelburg. Wehrbauten dieser Art besitzen eine höhere Verteidigungsfähigkeit als Einzelburgen, weil aufgrund der Dimensionen derartiger Anlagen bei militärischen Auseinandersetzungen quantitativ und qualitativ umfangreichere Belagerungskräfte mobilisiert werden müssen als beim Angriff auf eine einzelne Veste.
Mit der Verfügungsgewalt über die Brandenburg war das "Geleit" verbunden, ein dem Landesherrn verbrieftes Recht, das als Lehen vergeben, den "Brandenbergern" die Pflicht auferlegte, Handelszüge gegen Entgelt auf einer bestimmten Strecke bis nach Eisenach zu geleiten. Das betraf die Handelsstrasse "Kurze Hessen", auch "via regia" genannt, die von Frankfurt am Main über Vacha, Berka/Werra, Herda, Dietrichsberg, Oberellen und Clausberg nach Eisenach führte, und deren Abzweigung, die den Weg von Berka/Werra über Gerstungen, Neustädt, Wommen, Herleshausen, Wartha und Neuenhof nahm. Die erste bisher bekannte schriftliche Nachricht betrifft nicht die Burg, sondern das Dorf Lauchröden, dessen Kirchengründung im Jahre 1144 durch den Erzbischof Heinrich von Mainz urkundlich bestätigt wird. Der Gründer und Vogt dieser dem heiligen Martin geweihten Kirche ist Wigger von Wartberg, ein Verwandter des Erzbischofs. Er besitzt neben der Brandenburg die Dörfer Lauchröden, Göringen, Wartha, Sallmannshausen, Wommen, Hörschel, Unterellen, Neuenhof und Goldbach bei Gotha, ausserdem Güter in Herleshausen, Ifta, Herda, Eisenach sowie in Dörfern im Raum von Gotha. Graf Wigger von Wartberg ist Burggraf der Wartburg, nach der er und seine Nachfolger sich nennen. Darüber hinaus ist er Amtsgraf des Mainzer Erzbistums im Gebiet von Hofgeismar und im Eichsfeld, Grafschaften, die seinem Sohn Burchardt I. nicht mehr übertragen werden. Dieser, gleichfalls Burggraf der Wartburg, kommt 1184 bei einer Fürstenversammlung in Erfurt ums Leben, als die Decke des Versammlungsraumes bricht und viele Teilnehmer in einer Kloake ertrinken. Sein Sohn Albert I. folgt ihm als Burggraf. Den Namen von Brandenberg trägt das Geschlecht erst ab 1224; der letzte Burggraf der Wartburg, Ludwig II. von Wartberg, stirbt wie Landgraf Ludwig IV. (der Heilige) im Jahre 1227 auf dem Kreuzzug. Das Burggrafenamt wird nicht wieder besetzt. Ludwig II. Vetter, Burchardt III. von Brandenberg, hat den Kreuzzug überlebt. Er und seine Kinder können jedoch den Verfall der b>Grafschaft Brandenberg nicht aufhalten. Sein Sohn Albert II. verkauft die Veste 1279/80 an Landgraf Albrecht. Er verliert den Grafentitel und dient fortan seinem Landesherrn als Ritter und landgräflicher Rat. Die Brandenberger besitzen mit anderen Familien zeitweise noch Teile der Brandenburg als Lehen. Im Jahre 1426 übergibt Reinhard III. von Brandenberg das letzte Familienlehen auf der Burg an Heinrich von Erffa. Nach 1435 wird der Name des Geschlechtes nicht mehr erwähnt. Im Jahre 1322 werden Fritzsche und Heinrich von Heringen mit beiden Teilburgen belehnt. 1383 verpfänden sie die Westburg (das "Nedirhus") für 200 Mark Silber an die Stadt Erfurt, die in jener Zeit Burgen zur Sicherung des Handelsweges erwirbt. Als Markgraf Wilhelm von Meissen im Jahre 1396 Erfurt erobert, macht er der Stadt auch den Besitz der westlichen Brandenburg streitig. Er belehnt 1397 erneut die von Heringen mit diesem Teil der Veste. Die Herren von Thamsbrück und die von Nesselröden treten die Nachfolge im Lehen an. 1405 erwirbt Helwig von Ruckus die westliche Burg. Über dessen Tochter Gertrud, die sich mit Georg I. von Reckrodt vermählt, kommt sie in den Besitz dieses Adelsgeschlechtes, dessen Herrschaft bis zum Jahre 1702 andauert. Dem letzten Spross der Familie Adam Ludwig von Reckrodt ist in der Lauchröder Kirche ein Epitaph gewidmet. Der wohl bekannteste Vertreter dieses Geschlechtes ist Georg II. von Reckrodt, der um 1500 auf der Brandenburg geboren wurde. Er ist zunächst Knappe am sächsischen Hof in Torgau und dient später dem hessischen Landgrafen Phillip dem Grossmütigen als Rittmeister. Nachdem er als Söldnerführer in französische Dienste tritt und auch gegen Kaiser Karl V. kämpft, verhängt dieser wegen Landesverrates die Reichsacht über Georg. Mit dem Tode Karls erlischt die Reichsacht; Georg kehrt nach Herleshausen zurück, wo er 1559 stirbt. Die Landesherrschaft überträgt im Jahre 1704 die eine Hälfte der Westburg an die Familie von Wangenheim, die andere an die Familie von dem Brink. Dieser Teil fällt schon im Jahre 1755, der andere 1805 an das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zurück. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwirbt der Freiherr von Riedesel zu Eisenbach auf Neuenhof die Westburg und vererbt sie im Jahre 1858 seinem Enkel, dem Freiherrn von Rotenhan. Dessen Nachfolger übergeben das "Nedirhus" im Jahre 1936 dem Land Thüringen. Die Besitzer der Ostburg (das "Obirhus" genannt) wechselten in den ersten Jahrhunderten in ähnlicher Weise; noch 1349 besitzt die Familie von Heringen neben der Westburg auch den östlichen Teil, 1359 haben die Schindekopfs dort Lehensrechte, 1374 sind es die von Witzleben und die von Valken, 1375 bis 1379 die von Weberstedt. Ab 1379 ist Veste für drei Jahre in der Hand des Landgrafen Balthasar, bevor die von Kolmatsch sie zum Lehen erhalten. 1396 wird Fritzvon Herda genannt. Um 1435 übernimmt die Familie von Herda die Ostburg abermals als Lehenund behält sie bis zum Tode des Barons Kostantin von Herda zur Brandenburg im Jahr 1892. Dessen Erbe, Friedrich Wölbing, übergibt sie im Jahr 1895 der Landesherrschaft. Die von Reckrodt und auch ihre Nachfolger im Lehen, die von Wangenheim und dem Brink,wohnen seit dem 16. Jahrhundert in zwei Guts- und Schlossanlagen in Lauchröden, die Mitte des19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen und neu bebaut wurden. Die Familie von Herda hat seit dem gleichen Zeitraum ihren Wohnsitz im "Schwarzen Schloss" und in der "Kemenate" von Lauchröden. (Quelle: www.die-brandenburg.de; Dr. Hans Heuse)
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