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Schloss Thiergarten
Die Ursprünge des markgräflichen Jagdparks "Thiergarten" liegen im Dunkeln, wobei in früheren Jahrhunderten der Name stets den Bau und das dazugehörige Gelände bezeichnete und nicht, wie heute, den Bau allein. Christian Reichart beschreibt Tiergärten in seiner Einleitung in den Garten- und Ackerbau 1769 als "solche mit Gebüsch, Bäumen und Gras besetzte Oerter, worinnen allerhand hohes Wild wie auch Raubthiere verwahret und ernähret werden."
Die 1661 angefertigte Grenzkarte von Martin Franck enthält südwestlich von Wolfsbach als um-zäuntes Gelände einen Fasanengarten, dessen Anfänge auf das Jahr 1606 zurückgehen, und der wohl als Keimzelle des Thiergartens anzusehen ist. Dieser kleine Fasanengarten bestand neben dem grossen Thiergarten noch bis in die Epoche des Markgrafen Friedrich. Das Gelände für den Jagdpark liess Markgraf Christian Ernst 1667 trotz grosser Finanzschwierigkeiten zusammenkaufen und von Fronbauern mit einem Plankenzaun umgeben. Wenige Jahre zuvor hatte er bereits einen Jagdpark in St. Johannis anlegen lassen, der dann von seinen Nachfolgern zur Eremitage ausgebaut wurde. 1676 errichtete der Hofbaumeister Elias Gedeler in Thier-garten ein erstes Schlößchen, dessen Aussehen nicht überliefert ist und das schließlich dem jetzigen Bau weichen mußte. Die niedrigen Baukosten von 280 Gulden, die Christian Ernst ausnahmsweise aus seiner Privatschatulle zahlte, lassen auf ein bescheidenes, nicht sehr solides Bauwerk schließen. Ein Zeitgenosse, der Magister Johann Will, charakterisierte den Thiergarten schmeichelhaft als Miniaturausgabe des Fichtelgebirges mit seiner reichen Fauna: "Ein Compendium vom großen Fichtelgebirgischen Thiergarten haben Herr Markgraf Christian Ernst Hochfürstl. Durchlaucht ohnweit Dero Residenzstadt an den Wurzeln des Culmbergs angeschaffet (...) darein allerley Wildpret, fremde schwarze und weiße Hirsche bringen und ein Lusthaus erbauen lassen." Der das Gelände umgebende Plankenzaun enthielt vier steinerne Tore, von denen das größte und auf-wendigste als Bekrönung eine Statue des Bauherrn Christian Ernst, in Jägerkleidung und von zwei Hirschen und einem Hund begleitet, zeigte. Den jetzt noch stehenden Neubau ließ Georg Wilhelm im Jahr 1716 durch seinen Baumeister Johann David Räntz in Angriff nehmen. Man muß Schloss Thiergarten im Zusammenhang mit einer ganzen Gruppe von Bauten sehen, die sich Georg Wilhelm als Vertreter eines uneingeschränkten Absolutismus zu seinem Pläsier und seiner Selbstdarstellung im Umkreis der Residenz errichten ließ: Johann David Räntz legte dem Bau ein etwas ungewöhnliches architektonisches Konzept zugrunde und fügte an einen hohen achteckicken Mittelbau zwei trapezförmige Flügel an. Dieses Grundrißform wird oft als halbes Ordenskreuz des von Georg Wil-helm gestifteten Ordens De la Sincerité (später Roter Adler Orden) interpretiert. Es ist unwahrscheinlich, daß dies von Anfang an die Idee der Planung war - warum hätte man es dann beim Bau von zwei Flügeln belassen und auf die zwei anderen verzichtet? Statt dessen scheint es sich beim Grundriß von Schloss Thiergarten um einen seltenen Bautypus zu handeln, der schon im 16. Jahrhundert von dem Architekturtheoretiker Sebastiano Serlio unter der Bezeichnung "windmühlenförmig" ("a mulio di vento") propagiert wurde. Serlio weist ausdrücklich darauf hin, daß diese Bauform nur für Gebäude außerhalb der Städte im freien Gelände geeignet sei. Einzelne Vertreter des Typs findet man bis zu Mitte des 18. Jahrhunderts entweder mit vier oder wie im Falle Thiergarten mit nur zwei Flügeln. Sie treten auch in größere Baukomplexe integriert auf (Jagdschloss Stupinigi). Selbst das unter Georg Wilhelm errichtete Jagdschlößchen Falkenhaube zeigt einen etwas abgewandelten windmühlenförmigen Grundriß. Die Assoziation des Grundrisses von Thiergarten mit einem halbierten Ordenskreuz taucht schriftlich nie-dergelegt erstmals um 1760/65 in der Landesbeschreibung von Heinrich Arnold Lange auf: "Der Thiergarten ein kleine Stunde von Bayreuth gegen Schreez zu gelegen. Eine kostbare Verzäunung von etlichen Stunden im Umfang enthält ein großes Stück Holz mit darin und herum gelegenen Wiesen, Feldern und Weihern, worinnen Tam-Wildpret gehegt und gezogen wird. Es wurde von Herrn Markgraf Christian Ernst anno 1666 der Anfang dazu gemacht. Außer der Wildmeisters Wohnung und der weitläufigen Stallung vor die daselbst etablirte Stüterei ist noch auf einer ziemlichen Anhöhe von Herrn Markgraf Georg Wilhelm ein fürstliches Jagdschloss in Form des hochfürstlichen Roten Adler Ordens Kreuzes angelegt und aufgeführt worden, welches sich sowohl in der Nähe als auch in der Ferne ungemein gut praesentiert." Johann David Räntz fügte an den achteckigen Kuppelbau zwei trapezförmige Flügel mit je einem Vorraum und mehreren Salons an. Das Grundrißprinzip ist heute, da der eine Flügel fehlt, und der noch vorhandene durch Anbauten erweitert ist, schwierig ablesbar und verunklärt. Über deren Ausstattung unterrichtet eine Baubeschreibung des Geometers Johann Gersteiner von 1804, als noch beide Flügel standen. Etliche Räume wurden durch schwarz glasierte Tonöfen geheizt. Ein Salon in dem abgerissenen Flügel war vollständig mit Holz vertäfelt. Auch die noch erhaltenen Stukkaturen erwähnt Gersteiner eigens. Im Kuppelsaal nehmen sie inhaltlich Bezug auf die Funktion als Jagdschlößchen. Rautenfelder, Glöckchen, Gitterwerk, Jagdmotive und Tier- und Puttiszenen tragen die Handschrift von Paul Decker d. Ä. Die Stukkaturen der Salons schuf der aus Bam-berg herbeigeholte Domenico Cadenazzi. Diese Stukkaturen, denen kein Programm zugrunde liegt, sind Beispiele des Bandelwerkstils, der mit seinen lokker arrangierten Grotesken und Gehängen gegen 1720 den schweren Pflanzenstuck der vorhergehenden Generation ablöst. Ein Festmahl mit anschließendem Tanz im Kuppelsaal von Thiergarten schildert Markgräfin Wilhelmine in ihren Memoiren. Dieser geräumige, hohe und in der Außenansicht auf Fernwirkung berechnete Baukörper entsprach der Bedeutung, die die Jagd unter den Betätigungen eines Fürstenhofes einnahm. Sie war weit mehr als das bloße Erlegen von Tieren. Das Recht zu jagen war ein streng gehütetes Privileg hochgestellter Personen und die Ausübung der Jagd nicht nur eine beliebte Sportart, sondern darüber hinaus ein Statussymbol, das den Herren vom gewöhnlichen Volk unterschied. Schon in der Erziehung eines Fürstenkindes spielte sie eine Rolle: Sie sollte ihm Geschicklichkeit, Körperbeherrschung, Umgang mit Pferden und Hundemeute lehren und ihm auch zu Kenntnissen der Natur, der Botanik und der Beschaffenheit des Landes verhelfen. Als gesellschaftliches Ereignis stand die Jagd gleichrangig neben Feuerwerken, Festaufzügen oder Banketten. Jagdmusik, Gefolge in entsprechender Livreé, kostbare Flinten, geputzte Pferde und Wägen und nicht zuletzt ein großes Festessen sind unerläßlicher Bestandteil einer Jagdveranstaltung. Im 17. und 18. Jahrhundert gab es zwei festgelegte Arten der Rotwildjagd, die Parforcejagd und das sogenannte eingestellte Jagen. Bei der Parforcejagd hetzten berittene Jäger ein einzelnes Tier so lange querfeldein, bis es erschöpft zusammenbrach. Hier konnten nur wenige Personen teilnehmen, die sehr gute Reiter sein mußten. Beim eingestellten Jagen wurde mit Latten, Tüchern u.ä. ein Platz eingegrenzt, in den die Gehilfen das Wild in großer Zahl hineintrieben. Von einem Pavillon oder Podest aus schos-sen die Jagdteilnehmer die Tiere ab, die hier keine Fluchtmöglichkeit hatten. Es konnte sich eine Vielzahl von Gästen, auch Damen, beteiligen. In Thiergarten dürfte hauptsächlich das eingestellte Jagen auf dem freien Platz um das Schloss praktiziert worden sein. Ein um 1850 aufgetauchter Bericht, nach dem das Wild in Thiergarten in den Festsaal hineingetrie-ben und von den Emporen aus abgeschossen worden sein soll, gehört dem Reich der Fabel an. Die beiden kleinen Emporen dienten vielmehr als Platz für Musiker, vermutlich Jagdhornbläser, die für die musikalische Unterhaltung der Gäste im Saal sorgten. Die Schloßbeschreibung Johann Gersteiners bezeichnet die beiden Emporen unmißverständlich als "Orchester". Bereits mit Georg Wilhelms Tod 1726 war die große Zeit von Thiergarten zu Ende. Sein Nachfolger Georg Friedrich Carl jagte nicht viel, Freude fand er nur an der Reiherbeize in der Gegend um Himmelkron. Dessen Sohn Friedrich schuf sich dann sein eigenes Lieblingsrevier in Kaiserhammer bei Wunsiedel, wo er ein neues Schlößchen nach seinem veränderten und verfeinerten Geschmack errichten lies. Thiergarten wurde weiterhin gelegentlich benützt, sorgfältig unterhalten und die Umzäunung regelmäßig ausgebessert, man wollte sie sogar durch eine Steinmauer ersetzen, was aber wegen der hohen Kosten unterblieb. Das in Thiergarten befindliche Ge-stüt wurde 1749 nach Neustadt/Culm verlegt. Aber das starke persönliche Engagement, das Friedrich bei anderen Bauten an den Tag legte, läßt er gegenüber Thiergarten vermissen. Auch scheint er die Parforcejagd dem eingestellten Jagen vorgezogen zu haben. Zweimal entging das Schloss haarscharf dem Abbruch. 1791 wollte es die Hofkammer zum Abriß verkaufen, da die laufenden Kosten in keinem Verhältnis zum geringen Nutzen mehr standen. Markgraf Alexander von Ansbach-Bayreuth ordnete jedoch die Erhaltung an, nachdem Kaiserhammer schon abgerissen und Thiergarten somit das letzte markgräfliche Jagdschloß war. Ab 1802 nutzte man es als Dienstwohnung eines Försters, 1842 kaufte es der Bürger und Metzgermeister Christoph Thiem. Das Haus war bereits in schlechtem Zustand und erlebt jetzt einen Umbau zum Bauernhof. Der Kuppelsaal diente im unteren Teil als Pferdestall, darüber wurden zwei Zwischendecken eingezogen, um Heuböden zu gewinnen. Auch die Salons waren unterteilt, und in der jetzigen Vorhalle stand der Backofen. Der heute nicht mehr vorhandene Ostflügel wurde abgetragen und die Steine zum Bau eines Schweinestalles verwendet, nur die Grundmauern blieben bestehen. Von der ursprünglichen Einrichtung aus der markgräflichen Zeit hat sich kein einziges Stück erhalten. Nachdem 1910 bei einem Sturm das Dach des Kuppelsaals und 1918 auch das Dach des Schweinestalles eingestürzt waren, stellte der Besitzer Hans Thiem einen Antrag auf Abbruch des Kuppelsaals, um Baumaterial für einen neuen Stall zu gewinnen. Daß der damalige Gemeinderat der Gemeinde Thiergarten den Abbruch nicht genehmigte, ist ihm besonders hoch anzurechnen, und war angesichts des miserablen Bauzustandes keineswegs selbstver-ständlich. Nur eine provisorische Abdeckung auf dem Holzzwischenboden erhielt Teile des Deckenstucks des Saals. Erst der Übergang in den Besitz der Familie Bayerlein im Jahr 1922, verbunden mit einer durchgreifenden Restaurierung und Neuausstattung, sicherte den dauerhaften Bestand. Die Grundmauern des Ostflügels und der Schweinestall wurden abgerissen, der Eingangs- und Küchentrakt und das Wirtschaftsgebäude gegenüber neu errichtet. Die ersten Jahre waren im Zuge des Wiederaufbaus vor allem durch die Beschaffung von zeitgenössischen Bildern und Möbeln geprägt, es wurden an-fangs nur kleinere, rein private Feste mit Freunden und Familie gefeiert. Ab 1927 zählten dann auch der Adel, Politiker und hohe Militärs zu den Gästen, und schließlich fand am 23. Juli 1933 der erste Empfang der Stadt im Rahmen der Eröffnung der Bayreuther Festspiele statt. Gleichzeitig wurden engere Kontakte zum Hause Wagner geknüpft, und am 24. August 1936 besuchten Siegfried, Friedlind, Wieland, Wolfgang und Verena Wagner zum ersten Mal das Jagdschloss Thiergarten, das von da an in der Festspielzeit den Gästen des Hauses Wahnfried zur Verfügung stand. Von 1945 bis zum 1. Oktober 1948 war das Schloß von der US Army besetzt, dann wurde es in nur zwei Wochen zum alten Glanz wiedererweckt und am 14. Oktober 1948 als "Schloß-Hotel Thiergarten" in Anwesenheit hoher Polit-Prominenz eröffnet. Es folgten noch einige Wechsel der Besitzer und Pächter sowie kleinere bauliche Veränderungen. So wurde der Treppenaufgang zum Balkon im Kuppelsaal herausgerissen und der Fassadenputz mit gelbem statt dem bisherigen grauen Anstrich versehen. Im Jahr 1981 schließlich wurde der Verkauf an die Stadt Bayreuth verbrieft. Die Stadt ließ kleinere Restaurierungsarbeiten und Ergänzungen der Bestuhlung vornehmen, und am 15. Dezember 1982 wurde das Jagdschloss Thiergarten unter seinen neuen Besitzern, Familie Kaiser, wiedereröffnet, und wird seitdem als Hotel und Restaurant für höchste Ansprüche geführt. (Quelle: www.schlosshotel-thiergarten.de)
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