Schlösser und Burgen
   

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Burgen und Schlösser
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Schloss Romrod


Bisher war wenig über die Entstehung von Schloss Romrod bekannt. Einen Anhalt lieferte vor allem die erste urkundliche Erwähnung von Ludwig von Romrod im Jahr 1197. Sie belegte, dass bereits zur damaligen Zeit eine Burg oder ein befestigtes Haus in Romrod gestanden haben muss.

Eindeutige, naturwissenschaftlich bestätigte Datierungen stammen aus der zweiten Bauphase der Burg. Um die Handels- und Heerstrasse "durch die kurzen Hessen" zu schützen, wurde die Burg in der Zeit zwischen 1170 und 1192 grundlegend erneuert. Durch die Forschungen haben wir ein relativ klares Bild ihres damaligen Aussehens: Hinter einem Wassergraben erhob sich ein kreisrunder Mauerring mit Zinnen.

Von der staufischen Burg zum Jagdschloss

Bereits wenige Jahrzehnte später, zwischen 1220 und 1240, genügte der Wohnkomfort dem regional bedeutenden Geschlecht der Herren von Romrod nicht mehr. Eine ganze Fassade ihres neuen, repräsentativen Wohn- und Wehrturms mit Buckelquadern und gekuppelten romanischen Fenstern ist in der nordöstlichen Wehrmauer zu sehen. Aus der gleichen Bauperiode stammte auch der damalige steinerne Palas, von dem sich umfangreiche Teile im Herrenbau erhalten haben.

Erbteilungen und die übermässige Beanspruchung des Besitzes brachten den Herren von Romrod im folgenden Jahrhundert zusehends finanzielle Probleme. So waren die letzten beiden Erbtöchter der Brüder von Romrod gezwungen, je eine Hälfte ihres Romröder Besitzes an den Landgrafen von Hessen und die Herren von Erfe zu verkaufen. 1374 erwarb der Landgraf auch die zweite Hälfte der Burg, die bis ins 20. Jh. im Besitz seiner Nachkommen blieb.

Mit ihrem Übergang an die Landgrafschaft Hessen wurde die Burg rasch in die allgemeine Landesverwaltung eingegliedert. Die Landgrafen besetzten sie mit einer Verwaltung von Beamten, an deren Spitze ein Vogt oder Amtmann stand. Zum Schutz wohnten landgräfliche Burgmannen in Romrod, so dass schon wenige Jahre später um 1408, die Burg zum Mittelpunkt der Verteidigung des grossen Streubesitzes in dieser Gegend geworden war. Dies förderte gleichzeitig die Entwicklung der kleinen Burgsiedlung "Rumerode" zu einem mittelalterlichen Städtchen.

Die hessischen Landgrafen waren stets sehr an der Jagd interessiert und pflegten sich auf Jagdgesellschaften nah und fern ihrer Residenz zu entspannen. Der Vogelsberg, damals wie heute eines der wildreichsten Gebiete Deutschlands, war ein bevorzugtes Jagdrevier der Landesherrn. So ist belegt, dass sich Philipp der Großmütige in den 20er und 30er Jahren des 16. Jahrhunderts häufig in Romrod aufhielt. Was lag da näher, als die Burg in ein Jagdschloss zu verwandeln? Dies wurde dadurch begünstigt, dass Burgen bereits seit dem 14. Jahrhundert durch das Aufkommen von pulvergetriebenen Geschützen ihren ursprünglichen Verteidigungszweck weitgehend verloren hatten. So wurde aus der Burg Romrod im 16. Jahrhundert eines der beliebtesten Jagdschlösser der Landgrafen.

Mit dem Tode Philipps des Großmütigen 1567 und der folgenden Teilung der Landgrafschaft Hessen fiel Romrod für einige Jahrzehnte an Hessen-Marburg.

Umbau im Stil der Renaissance

Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg war ein leidenschaftlicher Jäger. Er veranstaltete in Romrod riesige Jagdlager, lud zahlreiche Gäste ein und machte das Schloss zum Mittelpunkt vieler fürstlicher Jagden. Doch die alten Gebäude entsprachen nicht den Ansprüchen des Fürsten und seiner Gäste. So begann im Jahr 1578 ein groß angelegter Umbau der Burg zu einem Jagdschloss. Mit den Maßnahmen beauftragte der Landgraf Eberhardt Baldewein. Als einer der bedeutendsten Renaissancebaumeister in Hessen hatte er schon das Marburger Schloss umgebaut. Noch heute zeugen die Lünettengiebel und das fein gestaltete Zwerchhaus auf der Westfassade des Herrenbaus vom Anspruch. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen eine große Anzahl von Fenster- und Türgewänden sowie zahlreiche Architekturdetails.

Zusätzlich zu den heute erhaltenen Gebäuden waren im Schloss weite Teile der Wehrmauer bebaut. So lehnten sich ein Marstall, ein Schlachthaus und weitere Gebäude an die hohen Mauern. Ihre ehemalige Größe und Lage lässt sich anhand der Fensteröffnungen, Kragsteine und Balkenauflager klar erkennen. Diese Enge, zusammen mit den Resten der alten Vorburg im Bereich vor dem Schlosstor, ließ auch nach den Renaissanceumbauten den mittelalterlichen Burgcharakter stets erkennen.

Mit dem Aussterben der Landgrafen von Hessen-Marburg im Jahr 1604 fielen der südliche Teil mit Alsfeld und Romrod an Ludwig V. von Hessen-Darmstadt. Auch er war ein leidenschaftlicher Jäger, residierte häufig in Romrod und erteilte dem Städtchen weitere Marktrechte. Doch schon bald brachte der 30 jährige Krieg (1618-48) Zerstörung und Armut nach Romrod. Noch in einem Brief von Landgraf Ludwig VI. von 1669 ist zu lesen, dass der Zustand des Schlosses sehr schlecht gewesen sein muss, jedoch konnte das finanziell geschwächte Land nur die nötigsten Reparaturarbeiten erledigen lassen.

Auch die im 18. Jahrhundert bei den Landgrafen Ludwig VI. und Ludwig VIII. wieder ausbrechende Jagdleidenschaft konnte keine Verbesserung bringen, denn der Landgraf ließ in der Nähe ein barockes Jägerlager, das "Jägertal", erbauen. Dort, und nicht mehr in Romrod, fanden nun die landgräflichen Jagdgesellschaften statt. So verwundert es nicht, dass das alte Jagdschloss seit 1769 nur noch als herrschaftlicher Fruchtspeicher genutzt wurde.

Neuer Glanz der Gründerzeit

Aus seinem langen Dornröschenschlaf wurde das Schloss erst Ende des 19. Jahrhunderts durch Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein geweckt. Er macht es zu seinem bevorzugten Sommeraufenthalt und begann 1879 mit einer umfangreichen Renovierung im Inneren und Äußeren. Noch heute wird der Gesamteindruck maßgeblich von dieser letzten Bauphase und der Überformung im Stile des Historismus bestimmt. Davon zeugen Dächer und Fachwerkaufsätze als beherrschende äußere Stilelemente, während in den Innenräumen Holzvertäfelungen und Decken die Sprache jener Zeit sprechen. Im November 1885 zog der großherzogliche Hof in Romrod ein, und mit ihm kamen in den folgenden Jahrzehnten viele berühmt Gäste, darunter die russische Zarenfamilie oder der heutige Ehemann von Königin Elisabeth von England. Trotz seiner Abdankung 1918 behielt Ernst Ludwig bis zu seinem Tod 1937 das Wohnrecht im Schloss. Danach fiel es an das Land Hessen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde es gelegentlich von Parteifunktionären und nationalsozialistischer Prominenz für pompöse Jagdgesellschaften genutzt, große Bedeutung erlangte es jedoch nicht mehr. So begann der langsame Verfall der einstmals prächtigen Anlage. Dies wurde verstärkt durch die Einquartierung von Flüchtlingsfamilien zwischen 1945 und 1965. In dieser Zeit lebten über 100 Personen im Schloss. Nach ihrem Auszug stand es über 30 Jahre leer und während dieser Zeit wurde es nur notdürftig repariert Ein idealer Nährboden für den Hausschwamm und andere Schädlinge, die nun Besitz vom Schloss ergriffen.

Das Schloss wurde 1996 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gekauft um seiner Bildungseinrichtung, der DenkmalAkademie, eine dauerhafte Heimstadt zu geben. Innerhalb von sieben Jahren hat die Stiftung das Schloss mustergültig und beispielhaft saniert.

(Quelle: www.schloss-romrod.de)