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Schloss EhrensteinResidenzschloss der Grafen von Gleichen
Der in den Nordflügel des hiesigen Schlosses Ehrenstein integrierte Fliehturm ist der älteste bauliche Beleg für eine frühe Befestigung an diesem Platz. Das in seinem Grundriß fast rechteckige aus Naturstein bestehende Bauwerk bot den Bewohnern der ringsum verstreut liegenden Höfe und kleinen Siedlungen bereits um 700 einen sicheren Schutz. In der Folge wechselte die Anlage oft ihre Herren und damit auch ihre Bestimmung, so daß es auch immer wieder bauliche Erweiterungen und Veränderungen gab.
Zuverlässige Nachrichten weisen nach, daß später an dieser Stelle ein Stift stand. Zu demselben legte Lullus, Nachfolger des Bonifatius, um das Jahr 745 den Grundstein. Er errichtete hier eine Kirche und weihte diese im Jahre 777 zu Ehren Petri. Da die Kirche aber im Laufe der Zeit verfallen war, stellte sie Gozbert, Abt zu Hersfeld, im Jahr 980 wieder prächtig her. Er versah sie mit Reliquien der Heiligen, erweiterte die Anlage und erhob die Kirche zum ersten Chorherrenstift in Thüringen. Im Jahre 1184, den 16. März, brannte unter dem damaligen Dekan Volmar das Chorherrenstift samt seiner Kostbarkeiten vollständig nieder. Beim Wiederaufbau 1186 bekamen die Gebäude nun einen anderen Grundriß. Die südliche Seite bekam eine Mauer, um den ganzen Komplex zu schließen und zu sichern. In dieser Weise bestand das Benediktinerstift viele Jahre und hätte wohl auch noch bis zur Reformation hier gestanden, wenn nicht die häufigen und verheerenden Fehden der kleinen Herren in Thüringen in den Jahren 1330-1340 ausgebrochen wären. Diese haben dem Stift, welches nicht ausreichend befestigt war, vielfach großen Schaden zugefügt. Die Ordensbrüder wandten sich daher an die verwitwete Landgräfin Elisabeth in Gotha und baten, daß sie ihnen die Marienkirche auf dem Gothaer Schloßberg, welche mehr Sicherheit gewährte, einräumen möge. Inzwischen hatte Hermann von Gleichen das Schultheißenamt über Ohrdruf, Wechmar u.s.w. von der Abtei Hersfeld erkauft und weil den Canonikern in Gotha die Sorge für die Klostergebäude lästig wurde, so überließen sie diese dem Grafen von Gleichen. Graf Georg von Gleichen ließ im Jahre 1550 an die Stelle, wo bisher eine Mauer stand, durch den Baumeister Kirchhof einen Flügel aufbauen und bestimmte denselben laut Ehevertrag vom Jahre 1552 zum Sitz für seine Witwe. 1570 wurde an diesen Flügel ein Turm angebaut. Als Georg 1570 starb, nahm dessen Witwe, Gräfin Walpurgis aus dem Hause Spiegelberg und Pyrmont, mit ihren Söhnen Philipp, Ernst, Johann Ludwig und Georg hier ihren Wohnsitz. Ost- und Nordflügel blieben bis zum Jahre 1610 noch in unveränderter Gestalt. Erst Graf Ernst bezog diese beiden Flügel mit ein, darüber hinaus legte er Gärten an und errichtete einige neue Gebäude, insbesonders das östlich des Schlosses gelegene Vorwerk. Der Neubau wie die Veränderungen der bereits vorhandenen Gebäude verursachte einen Aufwand von 30000 Gulden, die Schloßkirche nicht mitgerechnet, diese hatte Agnes, geborene Gräfin von Hohenlohe Langenburg, auf ihre eigenen Kosten im Jahre 1617 herrichten lassen. So war nun das ehemalige Stiftsgebäude verschwunden. Die gesamte Anlage war nun zum Residenzschloß der Grafen von Gleichen geworden. Unverändert war nur die Kirche geblieben, die in ihrem Baustil viel Gefälliges hatte und an der auf Anordnung der Grafen ein Hofprediger angestellt wurde. Als Graf Hans Ludwig, der letzte seines Stammes, am 17. Januar 1631 starb, kam die ganze Grafschaft Obergleichen an Grafen Georg Friedrich Kraft von Hohenlohe und Philipp Ernst von Hohenlohe. Diese Grafen ließen die auf der westlichen Seite stehenden Wirtschaftsgebäude im Jahre 1660 entfernen und an ihrer Stelle den vierten massiven Flügel erbauen. Graf August Wilhelm von Hohenlohe, der sich sehr um den weiteren Ausbau des Schlosses bemühte, ließ Mitte des 18. Jahrhunderts Teile im Barockstil herrichten. Dem sogenannten Klosterturm wurde durch das Aufsetzen einer zwiebelförmigen Kuppel ein gefälligeres Äußeres verliehen. Im Jahre 1869 wurde das Schloß vom Fürsten Hermann zu Hohenlohe dem Fiskus von Gotha verkauft und am 30. August von demselben übernommen. Ab 1870 wurden die Räume des Schlosses vom Ohrdrufer Realgymnasium bezogen. Die Stadt Ohrdruf übernahm Schloß Ehrenstein im Jahr 1924 zur gemeinnützigen Verwendung. Neben der Schule beherbergte das Schloß ab 1933 das Ohrdrufer Heimatmuseum. Für das Ohrdrufer Schloss, welches über 400 Jahre lang alle kriegerischen Auseinandersetzungen und Stadtbrände fast unbeschadet überstanden hatte, begann der Leidensweg erst nach dem Krieg. Nach Verlegung der russischen Schule und der Offizierswohnungen vom Schloss auf den Truppenübungsplatz herrschte Endzeitstimmung und es wurde schon laut über den Abriss nachgedacht. Die von der staatlichen Denkmalpflege der DDR erbrachten Leistungen konnten dem Verfall kaum Einhalt gebieten. So ist es zunächst auch den Mitgliedern des Kulturbundes (heute IG Schloß Ehrenstein) zu danken, dass das Schloss als historisches Kleinod erhalten blieb. In den letzten Jahren wurde das Schloß durch die großzügige Förderung der Stadt und des Landes wieder zu einen wahren Schmuckstück. In den nächsten Jahren ist der schrittweise Innenausbau geplant. (Quelle: www.ohrdruf.de)
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