Schlösser und Burgen
   

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Burgen und Schlösser
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Schloss Molsdorf

barocke Vierflügelanlage
Schloss Molsdorf liegt am Rande des gleichnamigen Dörfchens nahe Erfurt. Der seit dem 13. Jahrhundert nachweisbare Herrensitz wurde 1734 durch Gustav Adolf von Gotter (1692-1762) erworben, mit dessen Wirken als Bauherr das heutige Erscheinungsbild von Schloss und Park untrennbar verbunden ist. Der Reichsfreiherr und spätere Reichsgraf von Gotter war eine schillernde Persönlichkeit seiner Zeit, von weltmännischer Bildung, galant und lebenslustig. Aus bürgerlicher Familie stammend, machte er schnell Karriere als gothaischer Diplomat am kaiserlichen Hof in Wien, später stieg er im preußischen Staatsdienst, von Friedrich II. hoch geschätzt, bis zum Staats- und Kriegsminister auf. Für den Umbau des Schlosses und die Errichtung der Parkanlage wendete er ungeheure Summen auf. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Wasserburganlage ließ er zu einem standesgemäßen Landsitz mit Gutsbetrieb umbauen. Unter Verwendung von Bauteilen des Vorgängerbaus entstand eine unregelmäßige Vierflügelanlage mit einem kleinen Lichthof. Besonderen Anteil am Bau hatte dabei der Sachsen-Weimarische Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne (1703-1756). Die Ausführung der von Krohne entworfenen Stuckaturen der Innenräume wird Johann Baptist Pedrozzi (1710-1778) zugeschrieben.

Der aufwendige Lebensstil Gotters zwang ihn, das Schloss bereits 1748 an den württembergischen Staatsminister von Schwende zu verkaufen. 1757 musste er es endgültig verlassen, 1762 starb er in Berlin. Das Schloss fiel 1762 an den Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg und wurde Kammergut. In den Jahren 1813/14 diente das Gebäude als preußisches Lazarett. Die 1910 in den Besitz des Schlosses gekommene Gräfin von Gneisenau ließ Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen durchführen, wozu unter anderem die Einrichtung eines Marmorbades im Jugendstil gehörte. Seit 1937 in Staatsbesitz, beherbergte das Schloss nach dem Krieg Umsiedler und wurde ab 1952 als Kinderheim genutzt. Ende der fünfziger Jahre fanden umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten statt. Seit 1966 ist es als Museum zugänglich.

Im Wesentlichen hat das Schloss bis heute das Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts bewahrt. In sichtlicher Nachahmung französischer Schlossbauten stellt es eine Verbindung von Barock und Rokoko dar. An seiner Außenseite prangt das Wappen Gotters. Im Inneren des Schlosses legt die Gestaltung der Räume Zeugnis von dem ausgeprägten Darstellungsdrang des lebensfrohen Besitzers ab, von seiner Sinnesweise und dem Geschmack jener Zeit. Den größten Raum des Schlosses bildet der Festsaal, der bis zur Decke mit Eichenholz vertäfelt ist, in das Bildnisse von Königen, Fürsten, Diplomaten und Feldherren des 18. Jahrhunderts eingepasst sind. Gotters Motto "Vive la joie" (es lebe die Freude) kann man vierfach in den Eckkartuschen des Festsaals lesen. Der Marmorsaal ist der zentrale Raum der Gartenseite. Alle Details, wie Fenster, Türen, Kamine, Spiegel, Stuckmarmor und Bildprogramm, vermitteln einen festlichen, heiteren Eindruck. Thematischer Höhepunkt des Marmorsaals ist das Deckenbild "Aurora mit dem Sonnenwagen" von Antoine Pesne (1683-1757), dem berühmten preußischen Hofmaler.

Als Hauptfassade des Schlosses tritt die Südansicht zum Garten hervor. Ein dreiachsiger Mittelrisalit mit in die Dachzone reichendem, wappen- und vasenbekröntem Mezzaningeschoss ist über jeweils eine Fensterachse mit den Seitenrisaliten verbunden, die ihrerseits reich ornamental verzierte Dreiecksgiebel besitzen. Diese Schauseite des Schlosses steht im Einklang mit dem Schlossgarten, der unter Gotter nach französischem Vorbild gestaltet wurde. Die regelmäßige Anlage war durch Achsen und Wasseranlagen gegliedert und enthielt einen umfangreichen Skulpturenbestand. 1822-1826 wurde sie mit Mitteln des englischen Landschaftsgartens überformt. Dabei blieben die den Park umgebende Bruchsteinmauer und Teile des Kanalsystems bestehen, Alleen, schmiedeeiserne Tore, Skulpturen und die dominierende Stellung des Schlossgebäudes wurden mit in die Gestaltung einbezogen.

Seit der Übertragung von Schloss und Park Molsdorf zum 1. Januar 1998 an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten wurde östlich des Schlosses ein Lapidarium eingerichtet, in dem historische Parkskulpturen aus dem einst reichen Bestand gezeigt werden. Zudem finden Instandhaltungsmaßnahmen an Schloss und Park statt.

(Quelle: www.thueringen.de)