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Schloss Darfeldsüdländische Baukunst im Norden Deutschlands
In der Gemeinde Rosendahl inmitten einer parkähnlichen Landschaft liegt 30 km nordwestlich von Münster am Rande des gleichnamigen Dorfes das Wasserschloss "Darfeld", ganz umgeben von einem künstlich angelegten Teich, der von dem ihn durchlaufenden "Mühlenbach" gespeist und von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten natürlich belebt wird. Saftige Weiden und grüne Schnittwiesen für das Vieh der anliegenden Bauernhöfe prägen mit hellbraunen Äckern das anmutige Bild dieses schönen Landstriches in bunter Abwechslung ebenso, wie mächtige Solitärbäume und wuchtige Baumgruppen mit unregelmäßigem Waldflächen: Sie alle zusammen sind stille, aber lebendige Zeugen dafür, dass in diesem Teil Westfalens die Land- und Forstwirtschaft noch einen wesentlichen Erwerbszweig der traditionsbewußten Bevölkerung darstellt.
Einen umfassenden und nachhaltigen Einblick auf das Schloss und den ganzen Bereich seiner baulichen Anlagen gewinnt der Besucher schon bei seiner Ankunft bestmöglichst von der alten Mühle aus. Weiterführende Wanderwege durch Wald und Feld, die alle wieder im Dorf enden und hier und dort aufgestellte Ruhebänke bieten dem Spaziergänger, der nur auf die deutlichen Wegezeichen zu achten hat, in beliebigem Umfang Erholung und Entspannung. Im Gegensatz zu vielen anderen Ansitzen im weiten Münsterland wurde Darfeld nicht als Wehranlage errichtet, wie zu Beispiel die Burg Vischering bei Lüdinghausen (heute als Museum der Bevölkerung innen und außen zugänglich) oder die Burg Gemen bei Borken (heute Jugendbildungs- und Begegnungsstätte in der Hand des Bischofs von Münster), sondern als ein im Halbrund nach Norden geöffneter Wohnsitz seiner Eigentümer. Der Besucher wird darum also Wall und Graben, Wehrtürme, Zugbrücken, Befestigungsmauern und Schließscharten - wie sonst gewohnt - vermissen, die ja in den früheren Jahrhunderten ein entscheidendes Maß an Verteidigungsmöglichkeiten ausmachten. Das sogenannte "Haus Darfeld" mit seinen land- und forstwirtschaftlichen Gründen war bis zum Ende des 13. Jahrhunderts Sitz des urkundlich noch nachweisbaren Dienstadelsgeschlechts "derer von Darfeld". Auf dem Erbwege gelangte das Gut Darfeld dann in den Bestitz des Ritters Jobst von Vörden. Dieser ließ von 1612 bis 1616 (siehe Originalstein im Torbogen) auf den Fundamenten der ursprünglichen Anlage den heute noch unverändert stehenden Arkadentrakt errichten. Der damit beauftragte Architekt und Baumeister Gerhard Gröninger aus Münster hatte seine Ausbildung in Italien erfahren und übertrug den leichten und beschwingten Stil der venezianischen Renaissance (siehe in stimmungsvollem Rhythmus zierliche Säulen und Balustraden, gedrängte Rundbögen, fein ausgearbeitete Engelsköpfe, meisterhaft behauene Kapitelle unter reichen Verziehrungen aus Baumberger Sandstein) nach Darfeld - ein einzigartiges Beispiel südländischer Baukunst im Norden Deutschlands. Nach den Plänen des Baumeisters sollte eigentlich ein Achteckbau mit vier Durchfahrten unter vier Türmen in die jeweiligen vier Himmelsrichtungen entstehen; doch der Bauherr Jobst von Vörden und sein Architekt Gerhard Gröninger zerstritten sich während der Bauzeit derartig, dass nur zwei der vorgesehenen acht Arkadenflügel mit nur einer Durchfahrt (nach Westen) durch Gröninger fertiggestellt wurden, an die der Eigentümer dann in eigener Regie ein großes, schlichtes Wohnhaus nach typischer Art des Münsterlandes aus rotem Ziegelstein mit Sandsteineinfassung an Türen und Fenstern anbauen ließ. Die Erben und Nachfolger des Jobst von Vörden lebten aber über ihre Verhältnisse und mussten sich ihrer Schulden wegen von Schloss Darfeld trennen. Die Familie Droste zu Vischering, der heutige Eigentümer, seit 1271 als Beauftragte ("Droste" - "Erbdroste") des Fürstbischofs auf der Lehnsburg Vischering bei Lüdinghausen ohne Unterbrechung wohnhaft, erwarb das Schloss Darfeld im Jahre 1680 käuflich und nahm in den späterer Jahrhunderten keine wesentlichen Umbauten mehr vor. Im Oktober des Jahren 1899 zerstörte ein Großfeuer (durch Nachglühen ein Bügeleisens) den ganzen vorgenannten Backsteinbau und das Dachgeschoss über den Arkaden. Bis 1904 dauerte der umfangreiche Wiederaufbau in der heutigen Form - in Anlehnung an das wenige, übriggebliebene Gemäuer, das noch jetzt auf der Außenseite des Durchfahrtsbogens und in der Außenmauer neben der Durchfahrt bis 5 m über dem Wasserspiegel und am Uhrenturm des Innenhofes bis zu halben Höhe genau zu sehen ist. Auch das "Netzmuster" schwarzer Steine in der sonst dunkelroten Ziegelwand der Außenseite wurde wiederaufgenommen. Die historischen Arkaden der Innenhofseite blieben glücklicherweise vor der Vernichtung bewahrt. Die bei dieser Gelegenheit des Wiederaufbaus vorgenommene Erweiterung des neuen Wohnflügels um einen viergeschossigen Quertrakt im neuromanischen Stil auf der Nordostseite fiel im Jahr 1968 der Spitzhacke zum Opfer (Siehe Rasen mit der Sandsteinfigur n der Mitte, nachdem der schlechte Bauzustand und die architektonisch unglückliche Baugestaltung dieses im Einvernehmen mit allen zuständigen Behörden abgebrochenen Zusatzflügels - erst 60 Jahre alt - eine Instandsetzung nach den Folgen des 2. Weltkrieges der enormen Kosten wegen einfach nicht mehr rechtfertigten. Während des 2. Weltkrieges und der ersten 17 Nachkriegsjahre war Schloss Darfeld nicht von der Eigentümerfamilie bewohnt, weil es zunächst deutschem, dann amerikanischem Militär zur Verfügung gestellt werden musste. Von 1942 bis 1968 diente das im Krieg nicht nennenswert beschädigte Schloss, abgesehen von einigen kleineren Wohnungen Betriebsangehöriger im Hause, in vielseitiger Abwechslung zahlreichen Kinderheimen, Waisenhäusern, Lazaretten, Flüchtlingen, Kranken und Bombenevakuierten als erste Zuflucht und vorübergehende Ersatzheimat. Im Herbst 1963 bezog der heutige Eigentümer wieder einen bescheidenen Teil des Schlosses, doch blieben die Clemens-Schwestern ("Barmherzige Schwestern", Münster) noch bis 1968 im Hause, wobei deren Anzahl zwischen 170 Personen im Anfang (1942) und 50 Personen am Ende (1968) ständig schwankte. Vorgenannte Ordenschwestern, deren Mutterhaus im Jahre 1942 wegen der gnadenlosen Bombardierung von Münster und der Zerstörung ihres Hauses nach Darfeld verlegt wurde, nutzten das Schloss - in bestem Einvernehmen mit dem Eigentümer und allen Bevölkerungskreisen des Dorfes Darfeld - als Erholungsheim für ihre im Krankendienst tätigen Mitschwestern und als Altersheim für ihre betaten Ordensfrauen. Mit dem vom Hausherrn bedauerten Auszug der Ordensfrauen war es für einige Zeit möglich, dass die bis dahin von den Klosterschwestern genutzt große Halle, das anschließende Treppenhaus und drei weitere Nebenräume der früheren politischen Gemeinde Darfeld und der Kirchengemeinde St. Nikolaus Darfeld für die Abhaltung streng kultureller Veranstaltungen (Festakte, Konzerte, Theateraufführungen) nach jeweiliger Terminvereinbarung kostenlos zur Verfügung gestellt werden konnten. Bei derartigen Gelegenheiten, die seitens der Gemeinde immer dankbar begrüßt wurden, bot sich den interessierten Besuchern also die Möglichkeit, einen Teil des Schlosses auch von innen zu sehen. Da jetzt diese Räume und die übrigen Flügel des Hauses vom Eigentümer, seiner Familie und einer ganzen Reihe von Betriebsangehörigen vollauf privat bewohnt werden, darf ein allgemeines Verständnis dafür vorausgesetzt werden , dass das Innere des Schlosses nicht weiter besichtigt werden kann, zumal weder eine Ahnen- und Bildergalerie, noch Rüst- und Münzsammlungen, noch ein Rittersaal vorhanden sind oder ein Verlies. Der Großbrand von 1899 hat alles historische Inventar vernichtet und die Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre sind nicht spurlos am restlichen oder ersatzweise beschafften Inventar vorübergegangen. Die beiden Innenhöfe, in denen auch ab und zu öffentliche Musikveranstaltungen stattfinden, und der sehr vereinfachte und verkleinerte Garten gehören zum Wohn- und Lebensbereich der Hausbewohner. Im Rahmen des dem Eigentümer Zumutbaren kann in Ausnahmefällen, bzw. nach Terminvereinbarung, den kunst- und geschichtsinteressierten Bürgern und Reisegruppen des Landes der Zugang zu den Höfen zwecks eingehender Besichtigung an Werktagen durchaus ermöglicht werden. Die Nebengebäude auf der Vorinsel, das Torhaus und das Verwaltungsgebäude, sind beide bewohnt und Neubauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Grundmauern und Anfängen des 18. Jahrhunderts. Die kunsthistorische Bedeutung dieser Häuser ist gering, wenn man von der klaren und freundlichen Front des Verwaltungsgebäudes (Bruchstein/Sandstein/Backstein) absieht. Das Schloss und die Kapelle stehen unter Denkmalschutz, die gesamte Anlage und ihre nähere Umgebung liegen im Landschaftsschutzgebiet, was da kurz heißt: der Eigentümer darf keine äußeren Veränderungen an seinem Haus ohne Zustimmung des Landesdenkmalamtes vornehmen, er darf in der nächsten Umgebung des Schlosses keine zusätzlichen Gebäude errichten, die den Charakter dieses Gebietes beeinträchtigen oder sogar zerstören könnten, und er muss das bei Reparaturen und Änderungen zu verwendende Material (Schieferdach, Sandsteineinfassung, Kupferrinnen) nach Farbe und Qualität mit vorgenannter Behörde abstimmen. Die Umwandlung des früher "französischen Parks" mit symmetrischen Blumenbeeten, Kieswegen und geschorenen Hecken in eine schlichte Schnittweise "englischer Gartenart" - wegen der unendlichen und unrentablen Kosten - wiederlief natürlich nicht dem Ziel der zuständigen Behörden diese parkähnliche Landschaft vor Zerstörung und unpassenden Eingriffen zu schützen. Die neuromanische Hauskapelle, in der noch heute der katholische Sonntagsgottesdienst abgehalten wird, ist erst gut 100 Jahre alt und in ihrer heutigen, dem Schloss angeglichenen Gestaltung ein Ersatz für ein rustikales Gotteshaus aus Fachwerk und Backstein aus der Erbauungszeit des Schlosses (1616). Wegen ihres einheitlichen Stils innen und außen ist sie ein beachtenswertes Kleinod, das immer mehr Berücksichtigung bei Fachleuten findet, in dem die am 1. November 1975 in Rom seliggesprochene Ordenschwester Maria vom-göttlichen-Herzen-Jesu, geb. Droste zu Vischering, im stillen Gebet Kraft und Schaffensfreude schöpfte. Mit Rücksicht darauf, dass das Schloss vollauf privat bewohnt ist kann eine Besichtigung der gesamten Anlage nur von der äußeren Zuwegung, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, vorgenommen werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Schlossallee für PKW gesperrt ist. Parkmöglichkeiten bestehen am gegenüberliegenden Sport- und Freizeitgelände. Der Herrgott möge es dem jeweiligen Eigentümer vergönnen, das Schloss Darfeld mit der Hilfe der Öffentlichkeit und durch die Rücksichtnahme seiner Besucher der Nachwelt als hervorragendes Baudenkmal für weitere Generationen zu erhalten. Text: Clemens Graf Droste zu Vischering, Erdroste (+) Schloss Darfeld Herausgeber: Gemeinde Rosendahl im März 1999
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