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Schloss Ippenburgneugotisches Schloss
Am Rande der Norddeutschen Tiefebene, eingebettet in eine Wiesen- und Parklandschaft der Hunteniederung, verborgen hinter hohen Kastanien, liegt Schloß Ippenburg, das sich seit mehr als 600 Jahren im Besitz der Familie von dem Bussche-Ippenburg befindet. Ein neugotisches Schloß von eindrucksvoller Größe, mit 100 Zimmern und noch mehr Fenstern.
Drei Generationen bewohnen das Schloß, es gehören 300 ha Acker und 330 ha Wald dazu, die vom Besitzer Philip Freiherr von dem Bussche bewirtschaftet werden sowie eine umfangreiche Sauenhybridzucht. Eine Gartenanlage, die in den letzten 15 Jahren nach dem Vorbild englischer Cottagegärten angelegt wurde, umgibt auf ca. 10.000 m² das Schloß, der ursprüngliche Park geht allmählich in einen bewirtschafteten Wald über und birgt hinter hohen Bäumen die Familiengrabstätte. Dieses Schloß ist das dritte an dieser Stelle. Ritter Johann von dem Bussche, Sohn des Limberger Burgmannes Albert von dem Bussche, zog sich Ende des 14. Jahrhunderts in die Sümpfe der Hunteniederung zurück, um hier eine Festung zu errichten. Er kam vom Limberg, der heutzutage zu Preußisch Oldendorf gehört, und seine Familie verfügte bereits über einige Güter im Herforder Raum. Auch wenn er in seinem Wappen drei Pflugschare führte, ein Hinweis auf das landbauliche Interesse dieses Rittergeschlechtes, so liegt es doch nahe, anzunehmen, daß die Wahl dieses Standortes aus rein strategischen Gründen getroffen wurde. Denn die Hunteniederung stand noch bis in die 50er, 60er Jahre dieses Jahrhunderts häufig unter Wasser und oft mußte triefend nasses Heu mit den Händen von den Wiesen getragen werden, Kinder badeten auf den Feldern oder liefen im Winter dort Schlittschuh. Also eine richtige Trutzburg sollte es werden, ein Stützpunkt im Bruch der Essener Mark als Ausgangspunkt für weitere Landnahmen. Dieses versuchte der Bischof von Osnabrück zu verhindern, indem er dem Erbauer verbot, eine steinerne Festung zu errichten. Am 20. August 1390 gelobte Johann von dem Bussche vor dem Richter in Osnabrück, dieses Haus nicht aus Stein zu bauen und verpflichtete sich, die Burg dem Bischof jederzeit offen zu halten, ihm ein Vorkaufsrecht einzuräumen und keinen Weg durch das Bruch ohne seine Genehmigung anzulegen. Allen Forderungen des Bischofs zum Trotz war die Ippenburg mit ihrem steinernen Unterbau, der rundum mit Schießscharten versehen war und nur über eine Zugbrücke zu erreichen, zu einer uneinnehmbaren Festung geworden. Ein tiefer Graben umgab die Burg von allen Seiten. Ein weiterer Graben umschloß in einiger Entfernung die Vorburg. Zwischen beiden Gräben lag ein hoher, befestigter Wall der bis ins 18. Jahrhundert erhalten blieb und mancher Belagerung standhielt. Im Erdgeschoß der fast quadratischen Burganlage mit schmalem Innenhof lagen Kapelle, Küche, Ritter- und Knappenwohnung und die Rüstkammer. Im zweiten Stock befanden sich der Ritter- und der Büchersaal, die Junkernstube und eine Gastwohnung. Johann von dem Bussche, Drost zu Wittlage, war 1402 im Besitz der Hälfte der niederen Burg zu Hünnefeld. Im Jahre 1421 stiftete er eine Kapelle in Ippenburg und weihte sie der Hl. Jungfrau Maria und dem Hl. Georg. Der Bischof von Osnabrück bestätigte diese Stiftung am 31. Oktober 1421. Für diese Kapelle wurde bis in das Jahr 1819 ein Hausgeistlicher beschäftigt. Auch in dem heutigen Schloß befand sich bis zum 2. Weltkrieg eine Hauskapelle mit Sakristei. Im Zuge der Okkupation durch Wehrmacht und englische Besatzungseinheiten wurde die Kapelle in eine Küche umfunktioniert. Trotz aller Auflagen und Absprachen geriet Johann von dem Bussche später in Streitigkeiten mit dem Bischof. Dieser belagerte die Ippenburg, mußte jedoch nach einiger Zeit seine Truppen abziehen, ohne die Burg eingenommen zu haben. Daraufhin wurde Johann von dem Bischof mit einem Bann belegt. Nach seinem Tode mußte er im Feld neben seiner Burg begraben werden, weil ihm der Platz in der Kirche verwehrt wurde. Erst als seine Nachfahren eine Buße von 500 Talern zahlten, durfte der Leichnam in die Kirche überführt werden. Johanns Sohn Albert geriet 1436 in die Gefangenschaft des Bischofs von Minden, der raubend und plündernd in das Osnabrücker Land eingefallen war. Gemeinsam mit der Osnabrücker Ritterschaft sagte ihm Albert den Kampf an, unterlag jedoch und mußte sich schließlich mit 700 rheinischen Gulden aus der Gefangenschaft freikaufen. Dessen Sohn Albert, der sich durch den Neubau der Essener Kirche (heute Bad Essen) verdient gemacht hatte und den Besitz unter anderem durch den Kauf des Gutes Hünnefeld erheblich vergrößerte, wurde 1475 in der Leverner Kirche von Harteke von Münch niedergestochen, zunächst an der Klus beigesetzt und später in die Essener Kirche überführt. Sein Sohn Ernst von dem Bussche geriet 1478 wegen des Nachlasses eines Eigenbehörigen derart in Streit mit der Stadt Bremen, daß er gegen sie zu Felde zog, jedoch nächtlich überfallen und erschlagen wurde. Eine bewegte Geschichte, geprägt von Kampfgeist, aber auch von kultureller und sozialer Verantwortung. Durch Landkauf und "kluge Heiratspolitik" gelang es der Familie von dem Bussche, den Besitz beständig zu vergrößern. 1840 erhielt Julius von dem Bussche wegen der Größe der Güter den Grafentitel in "Primogenitur" (Erstgeburt). Nicht nur der Bau der Essener Kirche sondern auch die Gründung und Unterhaltung einiger Schulen und Pflegeeinrichtungen der Region wurde durch die Familie finanziert. Sie übernahm die Besoldung der Lehrer und gab ihnen freie Unterkunft. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das christliche und soziale Engagement von Gräfin Else, geborene von Arnim, die im 19. Jahrhundert das "Ippenburger Pflegehaus" in Eielstädt stiftete und gründete. Die schwächsten Glieder der Gesellschaft, Alte, Kranke und Kinder fanden dort vorübergehende oder auch dauernde Pflege und Hilfe. Der "Gräfin-Else-Weg", der heute zum Alten- und Pflegeheim "Simeon und Hanna" führt, erinnert an sie und schafft eine Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Noch heute haben die beiden Familien Bussche-Ippenburg und Bussche-Hünnefeld das gemeinsame Patronatsrecht über die Bad Essener Kirche, die durch den Einfluß von Philip-Sigismund von dem Bussche-Ippenburg und seinen Eltern, eifrigen Verfechtern des Protestantismus, bereits im frühen 17. Jahrhundert evangelisch-lutherisch wurde. Die erste Ippenburg stand bis 1811, wurde jedoch nach dem 30jährigen Krieg zugunsten eines Herrenhauses im Stil des ländlichen Barock, das Clamor von dem Bussche nördlich der Burg an der Stelle des heutigen Schlosses erbaute, aufgegeben. Dieses Herrenhaus bestand aus einer zweiflügeligen Anlage, deren Mittelteil ein Barockgiebel zierte, der jedoch 1756 durch Blitzschlag vollends zerstört wurde. Die 1724 gegossene Glocke, die 1980 auf der Ausstellung "1200 Jahre Osnabrück" gezeigt wurde, gehörte zu der Hauskapelle des Herrenhauses. In dem eigens für die Ausstellung angefertigten Gehäuse steht sie inzwischen im südlichen Teil des Gartens. Die Figurenbrücke mit den Steinskulpturen der vier Tugenden stammt aus dem 17. Jahrhundert. Albrecht Philip von dem Bussche war Ende des 17. Jahrhunderts Gesandter in Wien und brachte die Figuren von dort mit nach Ippenburg. Die vier dargestellten Tugenden heißen: Misericordia die Barmherzigkeit, Prudentia die Einsicht und Klugheit, Constantia die Beständigkeit und Justitia die Gerechtigkeit. 1811 wurde die erste Ippenburg wegen Baufälligkeit niedergelegt. Das Herrenhaus wurde nach verschiedenen Renovierungen 1862 abgerissen, weil es unrettbar vom Steinschwamm befallen war. Auf den Fundamenten dieses Herrenhauses errichtete Graf Wilhelm von dem Bussche 1862-1867 das heutige Schloß im Stile der Neugotik. Das Schloß wurde ausschließlich durch Handwerker der Region erbaut. Es besteht aus Ibbenbürener Sandstein. Sowohl durch seine Größe als auch durch seinen Stil stellt es in dieser Region eine Besonderheit dar. Der Stil der Neugotik ist bis ins kleinste Detail durchgehalten, was besonders an den Holzarbeiten im Treppenhaus und an der Holzdecke im Gobelinsaal deutlich wird. Typisch für das Ende des 19. Jahrhunderts und den Stil der Neugotik ist die Verwendung sakraler Elemente im profanen Bereich. Dieses wird besonders in der Eingangshalle deutlich. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts vollzogen Graf Hermann und Gräfin Vera von dem Bussche umfangreiche Renovierungen. Eine Zentralheizung wurde gebaut und zahlreiche Bäder eingerichtet. Im Jahre 1934 hatten Graf und Gräfin von dem Bussche ihren Neffen Albrecht von dem Bussche adoptiert. Durch Flurbereinigung und wasserwirtschaftliche Verbesserungen entwickelte er die vor dem Krieg an ca. 300 Pächter aufgeteilte Ackerfläche allmählich zu einem ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor. Feste Straßen und Stromnetze wurden in den 60er Jahren ausgebaut und machten das vormals unwegsam Gelände befahrbar. Die Weichen für eine moderne Landwirtschaft wurden gestellt. Grundlegende Renovierungen waren in den 60er Jahren auch im Ippenburger Schloß notwendig. Durch Kanonenöfen, deren Rohre einfach durch Decken und Mauern gezogen wurden, waren die Räume, auch Saal und Salon, - denn in jedem Zimmer wurde gelebt, gekocht und geschlafen, - stark in Mitleidenschaft gezogen. Das Dach mußte neu gedeckt werden, in den 80er Jahren wurden die Türme verkupfert und die Wetterfahnen neu vergoldet, in den 90er Jahren die Eingangshalle restauriert, Fenster erneuert bzw. gestrichen, bei mehr als 100 Fenstern keine Kleinigkeit. In jüngster Zeit wurde die Grundrenovierung der Schloßuhr notwendig, ständig müssen Brücken und Tore erneuert bzw. instandgesetzt werden, die Remise wurde neu verputzt und gestrichen und vieles mehr. Hinzu kommt die Pflege und Erhaltung von Park und Garten, der Famillengrabstätte, und verschiedener Hofgebäude. Das Schloß befindet sich nach wie vor im Privatbesitz der Familie von dem Bussche-Ippenburg. Erhaltung und Gestaltung dieses Denkmals sind für die Besitzer jedoch keine erdrückende Pflicht sondern eine wirtschaftliche und kreative Herausforderung. Die Besitzer vertreten den Standpunkt: Ein Denkmal muß belebt werden, sonst ist es nicht mehr als ein Haufen Steine! Gewährleistet wird das durch eine Ackerwirtschaft und Schweinezucht, die neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen folgt und ertragreich, ressourcenschonend und nachhaltig arbeitet. Dynamik statt Konservierung heißt die Devise, und es besteht kein Interesse daran, den Besitz zu einem Museum werden zu lassen. Und da Schönheit bekanntlich seinen Glanz verliert, wenn man sie zu lange unter Verschluß hält, öffnet Schloß Ippenburg einige Male im Jahr seine Tore für alle, die Interesse daran haben. Musik - Theater -Literatur - heißt eine Reihe von Veranstaltungen, die sich großer Beliebtheit erfreuen und meistens schon weit im voraus ausverkauft sind. Das erste Ippenburger Schloß- und Gartenfestival 1998 erfolgt nach dem Vorbild englischer Schlösser und Gärten, die die Tradition der "Gardenshows" schon seit Jahrzehnten pflegen. Der Schloßgarten ist eine Leidenschaft der jetzigen Besitzer Philip und Viktoria von dem Bussche. Da sich alles wandelt, wird auch dieser Garten vielleicht eines Tages wieder verschwinden, die lebhafte Vergangenheit von Ippenburg lehrt, daß es nicht primär darum geht, das Vorhandene zu bewahren, sondern sich den Forderungen der Zeit zu stellen, ohne den genius loci zu zerstören. (Quelle: www.ippenburg.de)
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