|
|||
|
|
Burg SchlitzVier-Burgen-Stadt
Vorderburg
Die Vorderburg, in der sich heute das Heimatmuseum und der Festsaal der Stadt Schlitz befinden, ist aus einem ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden romanischen Wohnturm entstanden (Unterbau des Turms vor 1181). Der Kern des Ostflügels ist ebenfalls mittelalterlich, während der Westflügel um 1600 erbaut wurde Verschiedene Bauabschnitte lassen sich an dem zentralen, ehemaligen Wohnturm ablesen. Ein aus Altan und Treppenturm bestehender Vorbau,von denen noch Spuren zu erkennen sind, wurde 1812 abgerissen, das spätgotische Portal des Treppenturms befindet sich heute im Gartenausgang des Vorderburger Türmchens. Schmal- und Rückseiten der beiden Flügel des gewaltigen Gebäudes besitzen Renaissancegiebel. Die Turmhaube stammtaus dem 16. Jahrhundert. Ein hölzerner, zum Teil barocker Treppenaufgang führt zu den verschiedenen Stockwerken. Im Parterre des Westflügels befindet sich die Gräflich-Görtzische Verwaltung. 1950 wurde in der Turmhaube ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk eingerichtet, das sowohl elektronisch als auch manuell bedient werden kann. Nach dem Willen seines Stifters, des Grafen Otto Hartmann von Schlitz, soll dieses Glockenspiel der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15.00 und um 17.00 Uhr erklingen im wöchentlichen Wechsel Volkslieder der verschiedenen Nationen über die Dächer der Stadt. Die Vorderburg war die Schlitzer Hauptburg. In ihr hatte bis ins frühe 18. Jahrhundert der Senior der Ganerbengemeinschaft seinen Sitz. Die Ganerbengemeinschaft wurde aus den Linien der Vorderburger, Hinterburger, Schachtenburger, Ottoburger und Hallenburger Herren gebildet. 1720 ging durch das Aussterben des Mannesstamms der Vorderburger Linie der gesamte Besitz an die Hallenburger Linie über, deren Senior, Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz, hannoverscher Kammerpräsident und Staatsminister, im Jahre 1726 von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Hinterburg Die Hinterburg, 1493 schon erwähnt, ist in ihrem Ursprung Teil der Schlitzer Stadtbefestigung. Der jetzige dreigeschossige Bau wurde von 1561 bis 1565 errichtet, im Jahre 1647 umgebaut. Diese Jahreszahl ist über dem Haupteingang festgehalten. Der in reinem Renaissancestil ausgeführte Baukörper wird durch prachtvolle Giebel und einen Treppenturm mit achteckigem Fachwerkaufbau geschmückt. Der Fachwerkaufbau ist mit einer welschen Haube versehen. Die Hinterburg, die im Lauf der Geschichte vielfache Verwendung gefunden hat, ist seit 1950 das Hauptgebäude der Graf Görtzischen Stiftung Altersheim. Diese Stiftung hat sich die Betreuung und Pflege älterer Menschen zur Aufgabe gemacht. Mehrere Um- und Anbauten (z.B. eine katholische Kapelle mit sehenswerter, von den Münchner Werkstätten geschaffener Mosaikwand) haben in den vergangenen Jahrzehnten die Funktionsfähigkeit dieser Einrichtung erhöht, ohne daß dabei der ursprüngliche Charakter der Hinterburg gelitten hätte. Schachtenburg Die Schachtenburg wurde im Jahre 1557 von der Witwe des hessischen Kriegsrates Wilhelm von Schachten, Elisabeth, Tochter des Junkers Werner von Schlitz, erbaut. Sowohl das mit einem Sandsteinstockwerk versehene Südhaus als auch das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Nordhaus gehören nicht zu der alten, aus dem Mittelalter stammenden Stadtbefestigung. Das Portal der Schachtenburg vereinigt nachlebende Spätgotik mit Renaissance - Ornamentik und mit geheimnisvollen Symbolen. Die einfassenden Stäbe des Portals laufen am Scheitel in Ranken aus, die, sich ineinander verschlingend, eine Brezel bilden, als Zeichen der ineinander übergehenden Jahre oder auch als Sinnbild der Unendlichkeit. Die Brezel spielt im Brauchtum des Schlitzerlandes eine große Rolle, ist doch der Pate gehalten, am Neujahrstag dem Patenkind eine Brezel zu überreichen. Auch beim Kirmesumzug in Schlitz wird eine Brezel vorangetragen. Am Sockel des Portals sieht man Zeichen für Liebe, Ehe, Geburt und Tod. Ein quadratisches Sandsteinrelief rechts neben der Tür trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Darüber befindet sich eine Spottmaske, ein sogenannter Breilecker, der wahrscheinlich von einem der alten Schlitzer Stadttore stammt. Die Schachtenburg ist heute Teil des Graf Görtzischen Altersheims, nachdem sie, vorher als Wohngebäude genutzt, auch eine Kapelle beherbergte, die der damals sehr kleinen katholischen Gemeinde für den Gottesdienst zur Verfügung stand. In der Schachtenburg befand sich bis zum Jahre 1894 der Sitz des Großherzoglich Hesssischen Amtsgerichts. Ottoburg Die Ottoburg ist ein frühbarockes Schloß, das von 1955 bis 1990 als Jugendherberge diente. Sie ist in zwei Bauabschnitten entstanden und steht auf der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von den beiden den NO- Teil flankierenden Ecktürmen stammt der kleinere aus alter Zeit. Die ehemalige Stadtmauer ist im Keller des Gebäudes noch gut zu erkennen, im Kellergeschoß befindet sich auch eine steinerne Gedenktafel, die das Baujahr (1653) und den Bauherren (Otto Hartmann von Schlitz, Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft") nennt. Ihre heutige Gestalt hat die Ottoburg jedoch erst 1681 durch Otto Hartmanns Sohn, Philipp Friedrich von Schlitz und dessen Gemahlin, Juliane Elisabetha von Minnigerode, erhalten, deren Doppelwappen über dem Barockportal des Haupteingangs zu sehen ist. Beim Bau der Ottoburg wurden alte Wehrgänge abgerissen und auch ein Teil des Wallgrabens zugeschüttet. Außerdem mußten einige an der Stadtmauer gelegene Häuser abgerissen werden. Dadurch kam es zu erheblichen Spannungen mit der Bürgerschaft, was auch mit den Stadtgerechtsamen und besonders mit den Privilegien zusammenhing, die den Bürgern der Innenstadt zustanden. Als streitbarer Geist erwies sich dabei der Metzger und Ratsherr Stoffel Hachenberg, dessen Namen wir noch an einer Scheune am Grabenberg finden. Der Ottoburger Linie der Standesherrschaft entstammt der "Held von Rheinfels", Georg Ludwig Sittich von Schlitz, der als Hessen - Kasselischer Generalmajor 1792 die Feste Rheinfels bei St. Goar gegen eine starke Übermacht französischer Truppen erfolgreich verteidigte. In die europäische Geschichte ging auch Georg Heinrich von Görtz (1675-1719) ein, der ebenfalls der Ottoburger Linie entstammt. Als Diplomat war er an vielen europäischen Höfen tätig, zuletzt war er engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden. Dieser König führte über Jahrzehnte den sogenannten Nordischen Krieg und lag im Streit mit Polen, Rußland, Brandenburg - Preußen und Dänemark. Nachdem er vor Fredrikshald in Norwegen durch eine Kugel den Tod gefunden hatte, wurde Georg Heinrich von Görtz für die völlige Verarmung des Landes verantwortlich gemacht und am 3. März 1719 nach einem politischen Prozeß zu Stockholm enthauptet. Später rehabilitiert, starb mit ihm die Ottoburger Linie der Schlitzer Ganerbengemeinschaft aus. Voltaire, der Georg Heinrich persönlich gekannt hat, setzte ihm in seiner "Geschichte Karls XII." ein unvergängliches Denkmal. Die Ottoburg diente nach dem 2. Weltkrieg mehreren heimatvertriebenen Familien als Wohnung. Heute befindet sie sich in Privathand. (Quelle: www.schlitz.de)
|
||