|
|||
|
|
Jagdschloss Friedrichsthal
Friedrichsthal - einer von fünfzehn Stadtteilen Schwerins. Die meisten kennen ihn wegen seiner schönen Umgebung und der in Europa einmaligen Lärchenallee. Der einstige verschafene Vorort beherbergt jedoch auch "herzogliche Gemäuer". 2001 jährt sich die Eingemeindung Friedrichsthals zum 65sten Mal. Der Ort Friedrichsthal erhielt seinen Namen am 5. Oktober 1798 durch den Großherzog Friedrich Franz I.. Die Geschichte des heutigen Stadtteils Schwerins reicht jedoch bis ins Jahr 1722 zurück. Damals erhielt ein gewisser Jochim Meyer die Erlaubnis, an der Straße nach Gadebusch zwischen Lankow und dem Uhlenkruge eine Krugwirtschaft aufzubauen. Das Lokal sollte "Hellkrug" heißen. Die Namensgebung stammt wahrscheinlich vom Hellborn, einem Teich in der Nachbarschaft. Der Legende nach soll dieser genauso tief sein, wie der Neumühler See an seiner tiefsten Stelle.
Der "Hellkrug" florierte - die Gastwirtschaft und seine Umgebung wurde immer beliebter. Zu den Besuchern zählte unter anderem der Regierungsrat von Brandenstein. Er bemühte sich 1790 um einen Pachtkontrakt westlich der Wirtschaft und baute dort ein Sommerhaus, das zum Wahrzeichen Friedrichsthals werden sollte. Denn 1797 erwarb der Großherzog Friedrich Franz I. das Gebäude. Von der wald- und wildreichen Gegend angetan, machte er das Haus zu seinem Jagdschloss. Später gesellten sich zwei Nebengebäude für den Jägermeister und die Meute auf der anderen Chausseeseite und Ställe zum herzoglichen Besitz. Der Fachwerkbau hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht seine heutige Form. Erst 1805 wurde das Haupthaus um ein Stockwerk erhöht. Das Besondere im Inneren des Schlosses war eine komplette, 1815 in Paris gedruckte, Tapete. Sie zeigt fünf Szenen einer Rotwildjagd und ist heute zu ihrem Schutz in einem Depot eingelagert. Durch die Verlängerung der damaligen Friedrich-Franz-Straße näherte sich die Stadt Schwerin dem Dorf Lankow an. Die langgestreckte Dorfstraße wurde zur Chaussee. Später entstand hier eine ganze Villenstraße. Die Chaussee wurde bis nach Friedrichsthal weiter geführt. Ihre Seiten zieren noch heute zahlreiche Lärchen, die sie einmalig in Europa machen. Der Großherzog ging seiner Jagdleidenschaft in den Wäldern um Friedrichsthal jedoch nur wenige Male nach. Die letzte Hofjagd soll 1822 stattgefunden haben. Danach stellte Friedrich Franz I. das Gebäude Vereinen und Bürgern zur Verfügung. In den Folgejahren wurden zahlreiche Versuche gestartet das Jagdschloss zu verkaufen - sie blieben alle erfolglos. 1914 diente es zur Aufnahme erholungsbedürftiger Soldaten. Um die Jahrhundertwende begann eine rege Bautätigkeit in Friedrichsthal - neue Landhäuser und Gastwirtschaften entstanden. Die Einwohnerzahl stieg. Waren es 1875 nur 40 Bewohner im Ort, erreichte die Zahl bis 1933 schon 155. Auch Häuslereien und Pensionen wurden gebaut - Friedrichsthal war Luftkurort und beliebtes Ausflugsziel der Schweriner. Schon damals wurde das Gehölz um den Neumühler See durch Promenadenwege erschlossen. 1936, dem Jahr der Eingemeindung Friedrichsthals nach Schwerin, gab es allein vier Gaststätten. Der ehemalige "Hellkrug" wurde in den ersten Jahrzehnten nun von der Familie Dreyer bewirtschaftet. Das Jagdschloss wurde nach 1945 in ein Tuberkulosekrankenhaus umfunktioniert und war später bis zur Wende ein Altenheim. Seit 1993 steht das Jagdschloss leer. Der denkmalgeschützte Bau steht zum Verkauf. Nicht nur den Anwohnern liegt der Erhalt am Herzen. Dann könnte eines Tages vielleicht die seltene Tapete ins Schloss zurückkehren. Vieles hat sich in Friedrichthal verändert. Doch das Haus mit dem alles begann - den "Hellkrug" - gibt es immer noch. Heute stehen allerdings griechische Spezialitäten auf der Speisekarte. Mitte der 90er bekam das "kleine" Friedrichsthal erneut großen Zuwachs. Nach eineinhalb Jahren Planung und Genehmigung entstand ab Ende September 1994 das Baugebiet nördlich der B104. Auf dem insgesamt 150 Hektar großen Areal wuchsen über 1300 Wohnungen in Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern. Die Einwohnerzahl von Friedrichthal liegt heute bei etwa 3850. Die neuen und alten Friedrichsthaler treffen sich jedes Jahr zum sogenannten Lärchenfest. Dabei wird in die Lärchenallee jedes Mal ein neuer Baum eingepflanzt. Doch trotz allem nachbarschaftlichem Idyll herrscht in Friedrichsthal seit geraumer Zeit Unmut. Denn auf das versprochene Stadtteilzentrum, dass gleichzeitig mit dem neuen Baugebiet entstehen sollte, warten die Anwohner noch heute. Ein Supermarkt mit möglicherweise kleineren Geschäften sollte den Weg zum Einkaufen für die Anwohner verkürzen. Die bisherigen Bemühungen des Ortsbeirates Friedrichsthal blieben erfolglos. Wann das Stadtteilzentrum gebaut beziehungsweise fertig gestellt wird, ist heute noch ungewiss. (Quelle: www.hauspost.sn-info.de)
|
||