Schlösser und Burgen
   

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Burgen und Schlösser
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Schloss Benrath

Lustschloss am Rheinufer
Von 1756 bis 1773 wurde bei dem ehemaligen Dorf Benrath (seit 1929 Stadtteil von Düsseldorf) im Auftrag des Kurfürsten Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach ein Lustschloss inmitten eines weitläufigen, an das Rheinufer grenzenden Parks errichtet. Baumeister und Gartenarchitekt war Nicolas de Pigage. Das Hauptgebäude ist als fürstliches Wohnhaus mit kostbaren Möbeln und anderen Kunstgegenständen des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Eine Sehenswürdigkeit von hohem Rang ist der runde, von einer Kuppel überragte Festsaal, der in seiner künstlerischen Gestaltung auf die Bestimmung des Schlosses als fürstlichen Jagdsitz Bezug nimmt.

Schloss Benrath ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen.

(Quelle: www.duesseldorf.de)


Nur wenige Autominuten vom Zentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf entfernt liegt rheinaufwärts, eingebettet in weitläufige Gartenanlagen Schloss Benrath, eins der schönsten Schlösser des Niederrheins. Bereits seit dem 13. Jh. gehörte Benrath zum Besitz der Grafen von Berg, den späteren Herzögen von Jülich- Cleve- Berg. Anfangs noch fester Wohnsitz, wurde der Vorgängerbau, ein Wasserschloß aus dem 17.Jh., bald als Sommerresidenz und Witwensitz genutzt. Nicht nur Pfalzgräfin Elisabeth Amalia wurde Benrath zum "allerliebsten Ort", auch von Anna Luisa Medici sind Berichte über die schönen Gärten erhalten. Als Kur-fürst Karl Theodor von der Pfalz (1724 - 1799), seit 1742 auch Landesherr des Herzogtums Jülich -Berg, 1746 erstmals nach Düsseldorf kam, fand er das alte, seit 1716 leerstehende Schloß durch Brand und Feuchtigkeit beschädigt vor. Am 20. November 1755, anläßlich seines zweiten Besuches in der ehemaligen Residenzstadt, beauftragte der Kurfürst Nicolas de Pigagé mit der Planung und Ausführung eines Neubaus, einer Maison de Plaisance. Ermöglichte doch der Typ der Maison de Plaisance die Ideen der Aufklärung umzusetzen und fürstliche sowie bürgerliche Bauformen zu verbinden. Überdrüssig des starren Hofzeremo-niells, sehnten sich die Fürsten nach einfachem ländlichen Leben und Intimität fern von Repräsentationspflichten. Der Wunsch nach einem beschwingten Wohnsitz in der Natur entsprach also dem gesellschaftlichen Wandel im ausklingenden Absolutismus. Pigagé (*1723 Luneville, + 1796 Mannheim) gelang es diesen hohen Ansprüchen in überaus überzeugender und geistreicher Weise gerecht zu werden.

Nach 14-jähriger Bauzeit, mit Unterbrechung während des Siebenjährigen Krieges wurde 1770 die Anlage vollendet. Dabei schuf Pigagé ein geniales Gesamtkunstwerk, ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Gartenkunst, Bildhauerei und Malerei. Ausgehend von dem vorgegebenen Areal des Wasserschlosses, das bis auf den nördlichen Flügel -die heutige Orangerie- abgebrochen wurde, entwarf er einen fünfteiligen, symmetrischen Komplex, der einer Eremitage gemäß um einen großen Weiher gruppiert ist. In die Gärten zurückversetzt liegt das, als Pavillon gestaltete, Hauptgebäude mit der Fürstenwohnung. Seitlich davon die Flügelbauten und kleineren Torgebäude im Halbrund. Sie wurden für Hofhaltung, von adeligen Gefolgsleuten, Dienerschaft und als Wirtschaftsgebäude genutzt. Bemerkenswert ist auch die schlichte, den Klassizismus ankündigende Behandlung sämtlicher Fassaden. Die Motive des reichen Skulpturenschmucks (Jagd und ländliche Szenen) werden jeweils im Inneren des Schlosses in Malerei und Stuckdekor aufgenommen und weitergeführt.

Gerade in diesem formalen, funktionalen und thematischen Zusammenspiel von Außen- und Innenbau, des Dekors und der Gartenanlagen begründet sich die herausragende Stellung Benraths. In der, von Außen bescheiden und eingeschossig erscheinenden, Anlage finden sich bis zu vier Etagen, wobei zwei als offizielle Geschosse angelegt sind. Selbst dort treten Inzenierung und Repräsentation in den Hintergrund. Die ehemaligen Gärten erweiterte der Architekt zu einer quadratischen, symmetrisch angelegten Anlage, unter Nutzung der alten Wasseranlagen für die Wasserspiele.

Schloß Benrath führte lange Zeit ein "Dornröschen Dasein". Selbst Auftraggeber Karl Theodor verbrachte nur einen einzigen Tag dort, da er mit seinem Hof als bayrischer Kurfürst in München residierte. Nicht zuletzt diesem Umstand ist der hervorragende Erhaltungszustand der Gesamtanlage Schloß Benrath zu verdanken. Mit Schloß Benrath ist somit ein verwirklichter Idealentwurf, ein einzigartiges architektonisches Zeugnis aus der Übergangszeit von Absolutismus zur Aufklärung und von Spätbarock zu Klassizismus erhalten.

Im Winter 1755 beauftragte Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz den Pfälzischen Oberbaudirektor Nicolas de Pigagé mit den Neubau von Schloß Benrath. Pigagé, seit 1749 im Dienst des Kurfürsten, entwarf ein "französisches" Lustschloß, eine Maison de Plaisance.

Den Eingang der Anlage verlagerte er in den Norden, so daß der Besucher seitwärts zum Hauptschloß hin geführt wird. Der in Nancy und Paris geschulte Architekt gruppierte den 5-teiligen Schloßkomplex um einen künstlich angelegten Weiher, der die Stelle des im Barock klassischen Cour d`honneur einnimmt. Dabei zeichnen die Fronten der Gebäude in ihrer Schwingung die Kontur des Weihers nach. Durch diesen Kunstgriff wird die Anlage an die Wasserfläche angebunden, die ihr Großzügigkeit verleiht und sie gleichzeitig vom Dorf distanziert. Über eine mit bergischen Löwen flankierte Treppe gelangt man zum Portal des Haupttraktes, das von dem Wappen Karl Theodors bekrönt wird. Selbst an dieser exponierten Stelle klingt das Thema Garten- und Lustschloß an; finden sich doch seitlich des Giebels Putti mit Gartengerät. Im Süden, zur Gartenfront hin, bestimmen Jagdmotive den Skulpturenschmuck. Auch hier sind Gebäude und Garten, in dem sich das Figurenprogramm fortsetzt, durch Weiterführung der Bewegung des Baukörpers eng miteinander verzahnt.

Durch die Fassadengliederung gelang es Pigagé die Kleinteiligkeit und Verschachtelung im Innerern zu verschleiern, so daß in der Außenansicht Schloß Benrath als eingeschossig mit Mezzanin erscheint. Dies trifft jedoch nur auf die beiden, in Nordsüdachse liegenden Festräume, Vestibül und Kuppelsaal zu. Die fürstlichen Wohnräume verlagerte er von der Belletage in das Erdgeschoß, so daß sie ihre direkte Fortsetzung in den sich anschließenden Gärten finden, die in ihrer Größe mit den Innenräumen korrespondieren.

Auf raffinierte Weise verstand er es sogar die Grün- und Wasserflächen in die Raumgestaltung mit einzubeziehen. Der Tradition gemäß liegen die Kabinette der Fürstin im Osten, und die des Fürsten in Westen. Durch den Wechsel von runden und rechteckigen Räumen realisierte Pigagé nicht nur ein Höchstmaß an Raumausnutzung, sondern entsprach ebenso der in der Bautheorie geforderten Varieté. Ingesamt umfaßt das Raumprogramm 80 Räume, deren Dimensionierung, den Ideen der Aufklärung folgend, auf den menschlichen Proportionen basiert. In den oberen Geschossen sind sie um zwei Innenhöfe gruppiert und über sieben Treppen verbunden. Auch in dem Verzicht auf die im Barock obligatorische Treppenanlage zeigt sich der ganz private Charakter des Schlosses. Ausschlaggebend für die Disposition und Ausstattung der Räume waren die Forderungen nach commodité, bienséance und convenance. Das Vestibül, ein klassischer Repräsentationsraum, konnte z.B. auch zum Speisesaal umfunktioniert werden. Eine weitere Besonderheit im Inneren stellt der, das Pantheon zitierende Kuppelsaal dar. Die Kuppel selbst wird aus zwei übereinander liegenden, nach oben sich öffnenden Schalen gebildet, über der sich der Belvedere erhebt. So war der Lichteinfall gewährt und zugleich bot sich die Möglichkeit, einen Orchesterbalkon anzulegen. Der Saal ist das Zentrum des Schlosses, in ihm laufen die drei für die Gartenarchitektur maßgeblichen Hauptachsen zusammen und werden zudem noch durch große Spiegel reflektiert. Wie auch Jacques Francois Blondel, der 1737 die maßgebliche Schrift zur Architektur der Maison de Plaisance verfaßte lehnt Pigagé die Überwucher-ung der architektonischen Formen durch die Dekoration ab, worin sich eine klassizistische Grundhaltung manifestiert. Als Beispiel sei die nüchterne Geschlossenheit und Scharfkantigkeit der Pilaster aufgeführt. Auch in der Kühle und Strenge, die unter anderem durch die reduzierte Farbigkeit und den, der Antike entlehnten Ornamenten entsteht, kündigt sich der Klassizismus an. Kunstgeschichtlich steht Benrath auf einer Stufe mit den z.T. nicht mehr erhaltenen französischen Initialbauten (Trianon de Porcelain, Marly, Vaux le Vicomte, Champs, ...). Doch geht Benrath in seiner Komplexität, in der bis ins Detail konsequenten Gestaltung nach einheitlichen formalen, thematischen und funktionalen Kriterien weit über diese Bauten, wie auch die architekturtheoretischen Schriften Blondels und Briseux` hinaus. Kaum eine andere Anlage spiegelt so den Zeitgeist der Epoche wie Schloß Benrath.

(Quelle: Uta Schabrod, www.nrw2000.de)