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Schloss HambornGeschichtsträchtiger Boden
Streifen wir durch die nähere und weitere Umgebung von Schloss Hamborn, so wird sehr bald empfunden, dass wir uns auf geschichtsträchtigem Boden befinden. Steinkistengräber und Wehranlagen sowie Reste von Bronzegräbern zeugen von relativ dichter Besiedlung bereits vor 4.000 Jahren. Auch sollen sich in unserer weiteren Umgebung Thingplätze befunden haben, die unseren einstigen Vorfahren als Versammlungsorte gedient haben: Die Externsteine, die Iburg bei Driburg, Paderborn mit den Paderquellen und die Stelle der "Hilligen-Seel"-Kapelle. Noch zu Beginn des 14. Jahrhunderts - so hören wir - bestanden hier herum neun dorfähnliche Siedlungen, deren Bewohner aber durch die Pest dezimiert wurden, oder infolge der vielfältigen Fehden und Kriegsverhältnisse sich in wenige Wehrdörfer zusammenzogen. Die gestreute Siedlung wurde wieder aufgegeben und so wieder zur Wüstung.
Bekannt ist aber, dass in Hamborn noch vor ca. 200 Jahren zwei Höfe bestanden haben, ein Meierhof und ein Schultenhof. Eine Familie "von Hartmann" erwarb Mitte des 19. Jahrhunderts diese beiden grösseren Höfe, legte sie zu einem Gut zusammen und erbaute sich den Ostflügel des heutigen Schlosses. Ihr Wappen: ein Herz mit einem darüberliegenden Balken, aus dem 3 Rosen wachsen, ist noch über dem ehemaligen Eingang, dem heutigen Eingang zur Schlossküche, zu sehen. 1872 wurde das Gut mit dem schlossähnlichen Gebäude von der Familie Mallinckrodt erworben und ging 1879 in den Besitz der von Droste-Hülshoff über ("Droste" bedeutet niederdeutsch soviel wie heute Landgraf). Die wunderbare Madonna-Statue im Haxtergrund wurde als Dank für die Bewahrung vor der Pest aufgestellt. Heute wird dieser Platz von Ordensschwestern gepflegt und mit Blumen geschmückt. Die von Droste-Hülfshoff's hatten verwandtschaftliche Beziehungen ins Paderborner Gebiet zu denen von Haxthausen, daher "Haxter Grund", das nahegelegene Erholungsgebiet. Von den Drostes wurde auch das "Kavaliershaus" als hübscher Fachwerkbau errichtet, das dann später von uns zum "Kinderheim" umbenannt wurde. Dieses Kinderheim sowie das Ulmenhaus, ein alter Kornspeicher, gelten als die ältesten Häuser in Hamborn. 1913 wechselte Hamborn wieder den Besitzer. Dieser, ein mecklenburgischer "Freiherr von Rüxleben", baute noch den Westflügel mit dem Saal und dem 2. Turm an. Da er nur an der Jagd interessiert war, verkaufte er es 1928 weiter an den Industriellen Johannes Leidl. Dieser erhielt diesen Besitz wohl als Entschädigung durch die Ruhrbesetzung nach dem 1. Weltkrieg. Kurz darauf ging im Winter das Schloss in Flammen auf. Bei dem starken Frost platzten der zu Hilfe geeilten Feuerwehr die Schläuche. Nur der Weinkeller soll die Brandkatastrophe überstanden haben - sicher zur Abkühlung der Feuerwehr - wie Alt-Borchener noch unter Schmunzeln zu erzählen wussten. Das völlig ausgebrannte Schloss wurde mit Versicherungsgeld wieder aufgebaut und mit dem Eingang in heutiger Form versehen. Über dem heutigen Eingangsportal ist noch sein J.L. (Joh. Leidl) eingemeisselt. Er selbst soll nicht hier gewohnt haben, nur seine Familie in einigen Räumen des Kavaliershauses, so dass das wiederhergestellte Schloss leer stand. Das Gut wurde so heruntergewirtschaftet, dass es 1931 wieder zum Verkauf angeboten wurde. Das erste anthroposophisch geführte heilpädagogische Heim in Deutschland, der Lauenstein, 1924 in Jena in Thüringen begründet, suchte für seine Erweiterung nach neuen Möglichkeiten, und unter vielen Besitzungen, die in der Nachkriegszeit zum Verkauf standen, wurde auch Hamborn angeboten. Hier erkannte Dr. lta Wegman, eine bedeutende Ärztin und engste Mitarbeiterin von Dr. Steiner, die Möglichkeit, in naturgeschütztem Raum eine Stätte zu errichten, wo therapeutische Pädagogik gepflegt werden konnte. Ihrem tatkräftigem Impuls ist es zu verdanken, dass mit der Hilfe von Freunden sowie nach Veräusserung von Feldern der Ankauf ermöglicht wurde. Als in den Adventstagen 1931 die Übersiedlung des Heilpädagogen Siegfried Pickert und des Erbprinzen Georg Moritz von Sachen Altenburg aus Jena-Zwätzen mit der von ihnen betreuten Kinderschar in das völlig leerstehende Schloss erfolgte, vollzog sich das alles in äusserlich recht bescheidenen Massen. Aber Begeisterung und Entdeckerfreude erfüllten jedermann, ob groß oder klein. "Doch auch viele schwere Arbeit erwartete uns, die wir als erste auf Hamborn einzogen", so der Erbprinz. Die mit großem Eifer in Angriff genommene Wiederherrichtung wurde durch die bald darauf einsetzenden politischen Verhältnisse (1933) stark eingeengt. Es entstand aber noch die "Hamborner Kolonne", eine Gruppe junger, erwerbsloser Menschen, die über ein Jahr auf Hamborn lebte und wirkte. Sie lasen Steine von über 160 Morgen Ackerland, rodeten Wald, pflanzten Tausende von Bäumchen und verrichteten viele Maurer-, Maler- und Zimmermannsarbeiten, und abends gab es Einführungskurse in Tischlerei und Gärtnerei sowie künstlerische Übungen und das Einüben von Theateraufführungen; unvergeßlich für alle war die "Jedermann"- Aufführung im Park unter Leitung von Haas-Berkow. Pfingsten 1932 konnten auch die ersten Erholungsgäste ins Schloß einziehen, für die das Hamborner Leben von besonderem Wert war. Um den staatspolitischen Verdächtigungen einen Riegel vorzuschieben, entschloß sich der Erbprinz 1936, das Anwesen in Pacht zu übernehmen und konnte dadurch noch einen zeitlichen Aufschub erreichen, bis 1941 diese Wirkensstätte gewaltsam geschlossen und enteignet wurde. Der Erbprinz mußte mit einer über 3/4-jährigen staatspolitischen Schutzhaft im Bielefelder Gefängnis "dafür büßen". Die damalige Sekretärin Anna Hentze fuhr einmal die Woche früh mit dem Milchwagen neben dem Kutscher Bonse auf dem Bock sitzend, über den Querweg nach Paderborn und von da nach Bielefeld, um dem Erbprinzen zu berichten. Erst nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus konnte langsam und nur stückweise mit der Rückgewinnung und dem Wiederaufbau begonnen werden. Lange war das Schloß belegt mit den Überlebenden eines ausgebombten Paderborner Altenheimes. Noch am Karsamstag 1945 wurde Paderborn durch totales Bombardement zu mehr als 80% zerstört. Nur sehr mühevoll und langsam gestaltete sich der Wiederaufbau durch die sehr erschwerten Nachkriegsverhältnisse. (Quelle: www.schloss-hamborn.de / Wiltraut von Koch (+))
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