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Ruine VernaburgKrewetburg im Wallfahrtsort Verne
Die Vernaburg hat nichts mit der Burg zu tun, die wir aus der Wilhardslegende kennen. Diese lag vielmehr in der Nähe des Brünnekens in der Flur Grundeis an einer Stelle, die später Eulenknapp oder Ulenknapp genannt wurde.
Die Vernaburg wurde hingegen erst um das Jahr 1607 von Wilhelm von Krewet errichtet, die die Inschrift am Hauptgiebel "ANNO 1607" zeigt. Aus diesem Grund wird die Ruine gelegentlich auch als Krewetburg bezeichnet. Die Krewets waren eine bedeutende Ministerialfamilie (niederer Adel) des Paderborner Landes. Ursprünglich waren Mitglieder dieser Familie Burgmannen des Bischofs von Paderborn in Salzkotten, wo sie deshalb mit dem Burgsitz "Freiheit" und zwei Burgmannshäusern belehnt waren. Mit der Zeit bauten sie im Raum Salzkotten ihre Stellung als Grundherr immer mehr aus. Im späten 14. Jahrhundert erwarben sie von den Herren von Verne das Amt Verne oder Verna - daher der Name Vernaburg - mit Verne, Klein Verne und Enkhausen. Am Ende dieser Entwicklung baute dann Wilhelm von Krewet die Vernaburg und verlegte seinen Wohnsitz von der Freiheit in Salzkotten hierher. Wilheln starb vor dem Jahr 1617. Sein Sohn Dietrich Wilhelm erwarb nach 1618 dann noch den Rittersitz Wandschicht vom Fürstbischof als Lehen. Während des Dreissigjährigen Krieges (1618 - 1648) wurde Salzkotten, das von kaiserlichen Trppen gehalten wurde, im Jahre 1633 von den Hessen und den Schweden belagert. Der Landgraf von Hessen und der Feldmarschall Dido von Knipphausen waren mit ihrem Hauptquartier von Paderborn auf die Vernaburg gezogen, um die Belagerung zu leiten. Da sich die Stadt Salzkotten nicht mehr halten, konnte, wurde ein Waffenstillstand vereinbart und auf der Vernaburg Verhandlungen über eine ehrenvolle Übergabe der Stadt aufgenommen. Jedoch wurde der Waffenstillstand gebrochen - die Schuld wies man sich später gegenseitig zu - und die Verhandluingen wurden nicht weitergeführt. Die Belagerer erstürmten die Stadt und richteten unter der Bevölkerung ein Blutbad an. Von den ca. 500 bis 550 Einwohnern der Stadt überlebten 150 bis 200, und ein grosser Teil der Stadt war zerstört. Dies geschah am 22. Dezember 1633, und aus diesem Grund läutet jedes Jahr in Salzkotten in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember (Thomasnacht) die Totenglocke. Mit Wilhelm von Krewet hatte die Entwicklung der Familie ihren Höhepunkt erreicht. Sie endete schon mit seinem Sohn Dietrich Wilhelm von Krewet, der 1638 ohne Hinterlassung männlicher Erben starb. Über seine Tochter Anna Maria gelangte der Verner Anteil des Vermögens an die Familie von und zu Brenken, der das Grundstück, auf dem sich die Burg befindet auch gegenwärtig noch gehört. Da die Burg durch das Aussterben der Familie von Krewet ihren Zweck als Zentrum einer Grundherrschaft verloren hatte, wurde sie immer seltener genutzt und verfiel schliesslich. Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) war sie schon eine Ruine. Die Gesamtanlage der Burg besteht aus zwei nahezu quadratischen Inseln von je etwa 75 m Seitenlänge, die durch einen 17 m breiten Wassergraben voneinander getrennt werden. Die 11 m breite Gräfte, die die Inseln umgibt, steht im Süden mit der Heder in Verbindung. Es ergibt sich somit eine regelmässige, rechteckige Anlage von ca. 100 m zu 180 m Ausdehnung. Man betritt die Anlage von Norden her und gelangt auf die erste Insel, die Vorburg, auf der keine urspüngliche Bebauung erhalten ist. Sie diente wahrscheinlich als Wirtschaftshof. Von hier aus erreicht man über einen Damm die zweite Insel, die Hauptburg. Anstelle des Damms befand sich hier früher eine Zugbrücke. Der Torbogen ist nicht mehr vorhanden, jedoch ist er auf einem Aquarell, das das sich im Besitz des Altertumsvereins in Paderborn befindet, noch zu erkennen. Rechts neben dem Eingang zur Hauptburg steht ein Rundturm, der zur Toranlage gehörte. Die Hauptburg ist mit zum Teil noch erhaltenen Mauern und Wällen umgeben. Die Wälle sind noch gut erkennbar, wogegen von den Mauern nur an der Südwestseite und an der Toranlage noch Reste erhalten sind. An der Ost-, Süd- und Westecke der Hauptburg befindet sich jeweils ein Turm auf quadratischem Grundriss. Die Seitenlängen der einzelnen Türme sind jedoch unterschiedlich. Im Erdgeschoss des Ostturmes befindet sich ein Wandkamin aus Werkstein, der in neuerer Zeit stark verändert wurde. Das Obergeschoss dieses Turmes ist aus Fachwerk mit Ziegelausmauerung in Ziersetzung erstellt. Zum Teil sind noch die Füllbretter des Fachwerks erhalten. Die beiden anderen Türme sind nur noch Ruinen. Von dem Turm an der Nordecke der Hauptburg ist oberhalb der Erdoberfläche nichts mehr erhalten. Dass auch an dieser Stelle ein Turm vorhanden war, lässt sich allenfalls aus der Form des Walles an diesem Platz herleiten. Genau über dem Mittelpunkt der Hauptburg erhebt sich der Turm des Burghauses, das sich südlich an diesen anschliesst. Folglich liegt das Burghaus nicht mitten auf der Hauptburg, sondern in deren südlichem Viertel. Das Gelände zwischen Burghaus und Wall konnte unter Wasser gesetzt werden, so dass das Burghaus unmittelbarf unter Wasser stand. Direkt der Toranlage gegenüber befindet sich in der Giebelfront des Burghauses der Eingan zu diesem. An den Mauerschlitzen und Steinkonsolen kann man erkennen, dass sich auch hier eine Zugbrücke befand. Das Sockelgeschoss des Burghauses ist im nordwestlichen Teil mit einem Tonnengewölbe versehen. Von diesem führen vier Stichkappen zur Nordwestfront und enden dort in Schiessscharten, die auch im übrigen Gebäude reichlich vorhanden sind. Das Erdgeschoss hat eine lichte Höhe von 3,18 m. Im Obergeschoss kann man an der Nordwestwand noch die Reste von zwei Kaminen erkennen. Der rechte Kamin hat seine mit Renaissanceornamenten verzierten Konsolen bewahrt, während der linke Kamin weit schlichter gestaltet war. Der Hauptgiebel des Burghauses ist dreimal abgetreppt. Die Steinmetzarbeiten sind typisch für die Weserrenaissance (vgl. z.B. Wewelsburg). Das Burghaus hatte vielleicht noch einen Seitenflügel, der sich südlich an die noch erhaltenen Aussenmauern anschloss. Dies lässt sich daraus schliessen, dass die noch aufrecht stehenden Mauern nach Südwesten hin keinen Abschluss haben. In dem Buch "Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Kreis Büren" von 1926 wird von einer mündlichen Überlieferung berichtet, nach der Mitte des 19. Jahrhunderts die grossen dreiteiligen Fenster an der Hauptfront im Erd- und Obergeschoss einschliesslich des Turmes neu eingebaut worden sind. Dies kann als zutreffend gelten, da auf dem schon erwähnten Bild von Brand die Sandsteinpfosten der Fenster nicht zu erkennen sind. Ebenso trifft die Überlieferung insoweit zu, dass der Turm des Baurghauses um etwa einen Meter erhöht und mit einem Dach versehen worden sei, denn dem besagten Bild hat der Turm kein Dach und das obere Mauerwerk des Turmes ist zum Teil herabgestürzt. An der Aussenseite des Turmes befindet sich im Obergeschoss eine Art Epitaph (Erinnerungsmal, normalerweise in Kirchen als Grabmonument an Wänden angebracht), das hier an dieser Stelle etwas ungewöhnlich ist. Dieses "Epitaph" hat einen dreiteiligen Aufbau und ist in Sandstein ausgeführt. Im Mittelfeld ist eine Darstellung des Sündenfalls zu sehen. Darunter befinder sich ein Allianzwappen (Ehegattenwappen), das von Putten (kleinkindartigen Engeln) gehalten wird. Es zeigt rechts (vom Betrachter aus links) das Wappen des Wilhelm von Krewet, den aufrechtstehenden Krebs, und links das Wappen seiner Frau Anna Maria von Westphalen zu Fürstenberg, einen waagerechten Balken und Turnierkragen. Über dem Mittelfeld steht in einer Nische eine "Caritas" (die christliche Nächstenliebe als Person dargestellt). Als Bekrönung dient ebenfalls eine Figur, die nur teilweise erhalten ist. In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts konnte man an dem "Ephitat" noch Farbspuren feststellen. Die Nische, in der die Caritas steht, war rot, die Haare der Eva und der Apfel am Baum waren vergoldet. Daraus lässt sich mithin folgern, dass das ganze Bildwerk farblich gefasst war. Wahrscheinlich ist sogar die ganze Burg verputzt und angestrichen gewesen. Literaturangaben: Körner: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, KreisBüren; - Stadt und Amt Salzkotten - Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Westfalen - Tack: Paderborn, die alte Stadt. zusammengestellt von Rüdiger Weinstrauch, Archivar der Pfarrei Verne (Quelle: Informationstafel am Objekt)
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